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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 54 (sequence 54)
Language
German
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54 Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. Bei den Juden im Mittelalter stand nun die Pyramide, wenn wir so sagen dürfen, auf dem Kopfe. Einer relativ geringen Anzahl von Landwirten und solchen Handwerkern wie Bäckern, Metzgern und Schneidern, welche nur für den eigenen Bedarf der Juden arbeiteten, gegenüber fristete die überwiegende Masse der Juden, speziell auch im mittelalterlichen Deutschland, ihr Leben durch Handel und Geldgeschäft. "Welches waren nun die tieferen Ursachen dieser unregelmäßigen Berufsgruppierung unter den Juden, unter welcher wir ja noch heute zu leiden haben und welche die tiefste Ursache nicht nur unserer äußeren, sondern auch unserer inneren geistigsittlichen Not ist? Die regelmäßige, eben geschilderte Berufspyramide wird sich nur bei solchen Völkern finden, die sich im eigenen Lande auf eigenem Boden wirtschaftlich betätigen. Das war auch Israels Fall im heiligen Lande, als jedermann noch unter seinem 'Weinstock und seinem Feigenbäume saß. Ferner kann ein Volk auch im fremden Lande durch Kolonisation neue reguläre Wirtschaftskörper auf der breiten Basis des Ackerbaus gründen. Aber diese Kolonien werden nur gedeihen, wenn sie vom Mutterlande politisch geschützt werden, bis sie stark genug sind, selbständige politische Gebilde zu werden, oder wenn auch unter fremder politischer Vorherrschaft wie bei der Kolonisation Nordamerikas die Menge des verfügbaren Bodens eine so große und die Zahl der einheimischen Bevölkerung eine so geringe ist, daß der Zustrom fremder Arbeitskraft nicht als Konkurrenz, sondern als willkommene Hilfe betrachtet wird. Als die Juden nun anfingen, sich über die ganze bewohnte Weltr zu zerstreuen, war ihre politische Macht, welche ja zu keiner Zeit besonders groß gewesen war, gebrochen, so daß die jüdischen Kolonien auf Schutz vom Mutterlande nicht rechnen konnten. War dieses doch vielmehr selbst auf ihre pekuniäre Beihilfe für die Erhaltung seiner Heiligtümer und später seiner Gelehrtenschulen angewiesen. Die jüdischen Kolonisten waren also ganz und gar auf das Wohlwollen ihrer Wirtsvölkerr wenn wir diesen ja jetzt Mode gewordenen Ausdruck gebrauchen

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