Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Die Josphserzählung. heilige Geist spricht: Beachte die Worte, sie werden einst eintreffen.“ (Gen. rab. 84. 12; vgl. Jalknt zu Gen. Kap. 141) Der Midrasch spricht den Gedanken hier ebenso innig, mit jener tiefen Ehrfurcht vor dem göttlichen Walten, das in der Josephgeschichte zu so herzergreifendem Ausdruck kommt, und mit jenem ihm eigenen Humor aus, wie er beispielsweise zu V. 20: ״wir wollen einmal sehen, was aus seinen Träumen wird,“ bemerkt: ״Ihr sagt: wir wollen . sehen, was aus seinen Träumen wird; und ich sage Jes. 41, 43: ״wir wollen einmal sehen.“ Jetzt wollen wir sehen, wessen Wort Bestand hat, daß meine oder das euere.“ Der Sache nach fassen die neueren und neuesten Exegeten die Worte ebenso auf. Dennoch möchte ich glauben, daß sie nach dem schlichten Schriftsinne etwas anderes besagen wollen. Während die Brüder Joseph nicht nur hassen, so adern auch beneiden, sieht Jakob erst jetzt, daß er in der Erziehung seines Sohnes Joseph einen falschen Weg gegangen war. So weit, denkt er, .mußte es kommen, daß Joseph sich nicht nur über seine Brüder erhebt, sondern auch gar noch über mich. Das Öffnet ihm die Augen. Er erblickt nun alles in einem anderen Lichte und möchte jetzt noch gut machen, was er versäumt hatte. So schließen sich die Worte ואביו שמר את הדבר vortrefflich an das Vorangehende an, mit dem sie nach der gewöhnlichen Auffassung nicht wohl übereinstimmen. Heißt es doch, daß der Vater den Joseph, und das zum erstenmale, gescholten habe Sollte da wirklich gleich in einem Atemzuge berichtet werden, daß Jakob im innersten von der Wahrheit des Traumes überzeugt war? Eine solche Auffassung ist mindenstens nicht ohne Schwierigkeiten. Man müßte etwa annehmen, daß jene Scheltrede so ernsthaft nicht gemeint war und mehr zum Schein für die Brüder erfolgte, oder daß Jakob jene Überzeugung von der Wahrhaftigkeit des Traumes erst nachträglich gewann, nachdem der Zorn des ersten Augenblicks verraucht war. Ich möchte glauben, daß die Sätze 12—14: ״Nun gingen seine Brüder, die Schafe ihres Vaters bei Sichern zu weiden. Da sprach Israel zu Joseph: Deine Brüder sind auf der Weide bei Sichern, komm, ich will dich