Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Die Josephserzählung. über die wahren Quellen dieses Hasses auseinandergesetzt haben. Überdies ist es eine alte Erfahrung, die die Geschichte und das Leben tausendfach belegt: Der Haß wie jede Leidenschaft, die sich nach der Richtung nicht Luft machen kann, nach welcher sie sich von Hause aus in erster Linie zu wenden geneigt ist, aber nun einmal nicht wenden kann oder wenden will, strömt dann wie von selbst mit gleicher oder vielmehr gedoppelter Kraft nach der entgegengesetzten Seite aus. So hassen denn hier die Brüder nicht den Vater, der den Joseph so deutlich und offensichtlich auszeicbnet, aber um so heftiger und tiefer den bevorzugten Joseph. Schön fügt sich nun gleich der folgende V. 5 an: ״Einst hatte Joseph einen Traum, den erzählte er seinen Brüdern, da haßten sie ihn noch mehr44 und die dann folgenden Verse 6—8: *Da sprach er zu ihnen: Höret doch diesen Traum, den ich geträumt: Und siehe, wir banden Garben .... Da sprachen seine Brüder zu ihm: Willst du gar König über uns sein? oder willst du über uns herrschen? Und sie haßten ihn noch mehr, wegen seiner Träume und wegen seiner Reden.44 Was in V. 4 steht: ולא יבלו לדברו לשלום, mag man es so, wie üblich, auffassen oder mit Luzatto, dem sich auch Jacob anschließt, übersetzen: ״sie konnten sein (freundliches) Reden zum Frieden nicht ertragen44 bereitet zugleich vor, was Vers off berichtet. V. 6, ״und sie haßten ihn noch mehr44. V. 8, ״und sie haßten ihn noch mehr44 usw. sind keine ״Redaktionsklammern44 und späteren Zusätze, wie Holzinger und andere wollen, sondern unentbehrlich für die ganze Darstellung. ויאמר אליהם וגו״ V. 6 ist aber m. E. nicht, wie man allgemein annimmt, als die nähere Ausführung von ויגד V. 5 anzusehen. Vielmehr berichtet Joseph, der in seinem stolzen Selbstwußtsein, ganz erfüllt von den Gedanken, die seine Seele hegt, es immer noch nicht recht empfindet, daß die Brüder nichts von ihm wissen wollen, diesen die Tatsache, daß er Träume habe, vielleicht auch kurz Wesen und Inhalt seines Traumes. Doch die wollen ihn gar nicht hören. Und ihr Haß wird noch stärker infolge der Ahnungslosigkeit Josephs l) •) Diese Ahnungslosigkeit Josephs schildert und empfindet gut Philo De Josepho IV S. 62 und 63.