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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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26 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. naler W ertung und nationalem Kriterium. Dieses pseudonationale Kriterium ist methodologisch noch schwächer fundiert als das religiöse. Die Definition des Judentums als Religion ist klar und einheitlich. Sie ist in Normen festgelegt. Aber der „Geist des Judentums“ läßt sich nicht in eine Formel fassen, er bleibt immer hypothetisch und kann daher kein Kriterium bilden. Unsere Religion ist keine Ideenlehre, sondern Gesetzeslehre. Das lebendige Judentum ist nicht eine Ideologie, es kann daher nicht in einem bestimmten Ideengehalt sein Kriterium haben. Die Ideen des Judentums treten immer mehr aus der Sphäre des Nationalen heraus und werden Gemeingut der sittlichen Menschheit. Jede dieser Eroberungen schmälert unseren nationalen Besitz. Das Wohl des Geistes ist demnach das Weh des Seins. Nieht der Inhalt einer Lehre kann ein nationales Differenzierungsmoment sein, sondern nur die Form. Die Assimilationsprediger verherrlichen Geist und Wesen des Judentums. Die Vorkämpfer unserer nationalen Renaissance, Berdyczewski und Tschernichowski treten in Opposition gegen die Grundlagen des Judaismus. Wer von diesen beiden Gruppen schafft nationale Werte? Die Antwort ist klar. Ist so der geistige Zionismus ungeeignet, das rechte Nationaljudentum theoretisch zu begründen, so irrt er auch v lüg in seiner Stellungnahme zur Existenzfrage der Diasporajudenheit. Die beiden Lehrsätze, die aufgestelit werden: „Eine vollständige Auflösung der Judenheit liegt nicht im Bereich der Möglichkeit“ und: „Palästina kann nicht die Frage der Judennot, sondern die der Judentumsnot lösen'4, diese Lehrsätze müssen von dem im Territorialgedanken gereiften Nationalismus, also vom Zionismus abgelehnt werden. Der von ihnen vertretene Glaube muß von ihm als verhängnisvoll für unsere nationale Wiedergeburt erkannt werden. Nur der religiöse Jude und der assimilatorische Judaist dürfen die Gewißheit aussprechen: Israel kann nie untergehen. Der Nationaljude muß hingegen sagen: Vielleicht wird die Idee des Judentums in den Regionen der Abstrakta ewig bestehen, vielleicht ist sie noch wurzelkräftig, um sich in neuen Schöpfungen zu

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