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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. Doppeldeutigkeit des Wortes führt nur zu verhängnisvollen Mißverständnissen. Die nationale Autonomie im territorialen Sinn bedeutet die unbedingte Herrschaft eines Sprachtums mit einer Sonderkultur über ein staatsrechtlich abgegrenztes Gebiet. In diesem Sinn streben etwa die Tschechen nach der nationalen Autonomie des Königreichs Böhmen. Die nationale Autonomie impersonalen Sinn will nur den Zusammenschluß von Personen durch eine öffentliche Willenserklärung, (wie bei der Religionsgemeinschaft) zu einer Korporation öffentlichen Rechts, die das Recht der Besteuerung ihrer Mitglieder zu den ihr vom Staate überwiesenen oder überlassenen Zwecken unter Aufsicht des Staates haben. Damit diese durchaus entgegengesetzten Bedeutungen des Begriffs „nationale Autonomie44, von denen die eine das Territorium, die andere den einzelnen freien Staatsbürger zum Maß der Dinge macht, nicht durcheinander geworfen werden, schlägt Franz Oppenheimer vor, die territoriale Lösung als politische Autonomie, die personale als sprachlichkulturelle Autonomie zu bezeichnen1 * * IV). Es bedarf nicht des ausdrücklichen Hinweises, wie interessiert die Juden überall daran sind, daß der Gedanke zum mindesten der personalen Autonomie verwirklicht wird, wie aber vor allem das Nationaljudentum einen seiner sehnlichsten Wünsche erfüllt sehen würde. Der Kampf für die nationale Autonomie ist daher überall in Wort und Schrift mit verstärkter Energie aufgenommen worden. Ob die Erwartung bedeutsamer territorialer Veränderungen in dem Bestände der Türkei vor den kriegerischen Ereignissen der letzten Zeit von Einfluß war auf ein Wiedererstarken des l) Vgl. den für diese Frage sehr instruktiven Aufsatz: „Nationale Autonomie für die Ostjuden“ von Franz Oppenheimer Neue Jüd. Monatshefte Jahrgang I S. 363 ff Unsere Leser werden sich freilich wohl der trefflichen Aufsätze von J. Kahan „Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland und seine politischen Parteien“ Jeschurun IV S. 353-373 und 483-509 erinnern, aus denen hervorgeht, daß wir mit der Terminologie von Oppenheimer doch nicht ganz auskommen, wollen wir die Bestrebungen großer Parteien mit einem Worte richtig kennzeichnen.

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