Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, Nationaljudentnm und gesetzestreues Judentum. 23 der Geistesrichtung Äehad Haams fremden Wegen die Religion in den Mittelpunkt der Erneuerung der jüdischen Kultur. Während des Krieges, und man kann auch wohl sagen unter dem Einfluß des Krieges, sind nun die alten Tendenzen wieder aufgelebt. Was immer auch die Ursachen des Weltkrieges gewesen sein mögen, nicht nur der äußere Anlaß sondern der immer willkommene Vorwand für die Eröffnung des Entscheidungskampfes zwischen den einander gegenüb erstehenden Gruppen der Großmächte war der Nationalitätenhader der kleinen Völker auf dem Balkan auf der einen und die bevorstehende Aufteilung der Türkei auf der anderen Seite. So mußte sich aus den Balkankriegen und den Folgen, die sie schufen, naturgemäß zu irgend einem Zeitpunkt der Weltkrieg entwickeln. Sollte für absehbare Zeit in Zukunft ein neuer Krieg verhütet werden, das war nun der Gedanke eines jeden, der an die Rettung aus dem Zusammenbruch dachte, so mußte in dem kommenden Frieden mit diesem Zündstoff endgültig aufgeräumt werden. Ein Mittel, um dem Nationalitätenhader der kleinen Völker ein Ende zu machen, mußte aber um so mehr gefunden werden, als durch die Eroberungen der Mittelmächte die Probleme nur noch komplizierter geworden, zu den alten Streitobjekten noch neue hinzugekommen waren. Die nationale Autonomie für diejenigen Volksteile, die außerhalb ihres Stammlandes politisch einem anderen Staatengebilde angehörten, wurde hier das Losungswort. Und da sich an vielen Stellen die einzelnen Volkssplitter so durcheinander schieben, daß an eine territoriale Autonomie nicht zu denken ist, und wer sie schüfe, nur die Minderheit derMehrheit ausliefern würde, sotratder Gedanke,derschonim österreichischen Nationalitätenstreit sich Bahn gebrochen, in den Vordergrund, die Durchführung der personalen Autonomie, nach der alle einer bestimmten Nationalität angehörenden, noch so weit zerstreuten Glieder einer Volkseinheit das Recht haben sollen, protokollarisch zu erklären, zu welcher Sprach- und Kulturgemeinschaft sie sich rechnen wollen. Man versteht freilich oft unter „nationaler Autonomie“ beides. Aber diese