Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Zionismus, Na t i o nalj u aentum und gesetzestreues Judentum. Er hat die Umwertung aller Werte auch für das Judentum proklamiert. Nationale Kultur? Wohl: Und ihr formendes Organ ausschließlich die neuhebräische Literatur! Aber als Inhalt? Die Ethik Nietzsches, modern europäische Erotik u. s. f. „Ihre innerste nationale Erkenntnis“, sagt ein zionistischer Beurteiler von ihnen, „ist ganz profan und ganz atheologisch. Demgemäß bekennen sie mit einem tiefen Verantwortungsgefühl und großer Kraft der Ueberzeugung, daß ihnen das Problem der Erhaltung des Judentums nicht die jüdische Lebensfrage st. Ebensowenig wollen sie sich nach einer Idee des Judentums richten, auch wenn sich eine solche feststellen ließe “*) Es ist nicht ohne eigenen Reiz zu sehen, wie Achad Haam in einem seiner bedeutendsten Aufsätze: „Die Renaissance des Geistes“, wo er zu den bekannten Vorgängen auf dem fünften Zionistenkongreß* 2) Stellung nimmt und die Kulturfrage von höherer Warte bespricht, wie Achad Haam hier für diejenigen, die doch eigentlich seine geschworenen Gegner sind, eine Lanze bricht. Denn jene Kulturzionisten, die den Exodus vollzogen, die hätten mit einer nationalen Erziehung in ihrem Sinne dem „geistigen Zionismus“ ebenso den Garaus gemacht, wie der Religion der sie befehdenden gesetzestreuen, geistigen Führer Rußlands. Was Rabbiner Reines und Rabbinowitsch auf jenem Kongreß aussprachen3), klingt ja sehr kindlich, aber es kommt nicht auf die Worte, sondern auf die Sache an, und in der Sache hatten sie es recht eigentlich getroffen, daß kein Friede sein könne mit diesen Vorkämpfern einer nationalen Erziehung. Noch einem anderen Gegner ist Achad Haam entgegengetreten, dem Nationaljudentum in der Prägung, die ihm Dubnow *) „Der Jude*‘ I S. 406. 2) Die Kulturfrage sollte schon auf früheren Kongressen behandelt werden, wurde aber von der Leitung, die aus dem Widerstreit der Meinungen eine Spaltung befürchtete, durch Verweisung in die Kommissionen begraben. Als in der letzten Nachtsitzung des V. Kongresses wiederum die Abstimmung verschoben werden sollte, verließen eine Anzahl von Delegierten den Sitzungsaal. Die Abstimmung erfolgte schließlich doch dem Wunsche der Antragsteller entsprechend. s) Protokoll des V. Zionisten-Kongresses S. 393—395.