Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292982--02579-2295850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zionismus, Nationaljndentum und gesetzestreues Judentum. 19 einer Form national sich auszuleben vermag. Für den Inhalt der zukünftigen nationalen Kultur brachte er kein festes Schema mit. Auch die dem Wesen des Judentums eigentlich fernstehenden sozialistischen Gruppen begleitet er mit seiner Sympathie. Achad Haams Nationaljudentum ist aber Zionismus, orientiert an der Vergangenheit des jüdischen Volkes. Wie das Ich des Einzelnen nichts anderes sei als die Summe seiner äußeren und inneren Erlebnisse in der Vergangenheit verbunden mit einer Reihe von Strebungen und Willensrichtungen für die Zukunft, so auch das Gesamt-Ich eines Volkes. Und für das jüdische Volk bedeutet das, daß der Inhalt seiner Kultur, soll er wirklich jüdisch sein, nicht losgelöst gedacht werden kann von den Idealen seiner Vergangenheit, dem Komplex der sittlich-religiös einzigartigen Gedanken und Ziele, wie sie das Volk der Religion vor Jahrtausenden ausgebildet und durch die Jahrtausende verfochten hat. Es ist letzten Endes unser altes Judentum, dessen Erhaltung Achad Haam so sehr am Herzen liegt, nur modifiziert in einer „natürlichen Entwicklung“ und von manchen „Schlacken“ befreit. Aber, wenn er auch sicher das Wort nicht so unterschreiben wird, auch nach ihm hat es keinen Sinn, daß eine Judenheit ist, wenn es kein Judentum gibt und zwar ein dem alten Judentum verwandtes, das organisch aus ihm erwachsen ist. Und hier vor allem tritt zu dem „geistigen Zionismus*1 * * 4 Achad Haams im Gegensatz der „Kulturzionismus“ der Jungen. Dieser will Zionismus sein, denn Palästina ist das erstrebenswerte Zentrum und die hebräische Sprache allein die Nationalsprache. Und er will Kultur Zionismus sein, denn die nationale Erziehung steht ihm im Mittelpunkt alles Strebens. Aber die Last der Vergangenheit will er völlig abschütteln, das Alte soll fallen, und ein völlig neuer Bau erstehen. Auch hier sei ein Name als der hervorstechendste genannt: Berdyczewsky. *) 1) Es gekört auch zu den Seltsamkeiten, an denen die Geschichte der Literatur des Zionismus reich ist, daß ausgerechnet Berdyczewsky in jüngster Zeit die Schönheit unserer Midraschim einem weiten Leserkreise erschlossen hat. 2*