Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, National]ndentnm und gesetzestreues Judentum. das Vorhandensein streng frommer Rabbiner, die es nicht verschmähen, an der Seite von Freidenkern imDienste des nationalen Judentums zu wirken. Was unterscheidet Achad Haams Theorie nun von dem politischen Zionismus Herzls und von dem Nationaljudentum, wie wir es im Anschluß an Birnbaums Schriften gekennzeichnet? Um es kurz, wenn auch nicht unzweideutig genug auszudrücken, kann man sagen : Herzl gegenüber ist er mehr Nationaljude, Birnbaum gegenüber mehr Zionist, Für Herzl steht der Judenstaat im Mittelpunkt. Achad Haarn leugnet, daß der Staat das wichtigste und entscheidende Kriterium für eine Nation ist. Die nationale Kultur, sie schlingt ein viel engeres Band um die einzelnen Individuen, als das gemeinsame Staatengefüge. Die Deutschen Oesterreichs fühlen sich mit den Deutschen im Reiche enger verbunden als mit den Ungarn, mit denen sie eine politische Einheit bilden. Die Engländer aus den Kolonien haben durchaus nicht gemeinsame politische Interessen mit denen Großbritanniens, und doch ist hier eine geschlossene Kultureinheit. So sind auch die Juden eine Nation durch ihre gemeinsame nationale Kultur. Diese haben sie stets ihr eigen genannt. Erst in der Neuzeit droht sie zu schwinden. Der Verlust ist ein doppelter. Die Einheit des Judentums geht in die Brüche. Die Juden der verschiedenen Länder verstehen nicht nur nicht mehr die Sprache ihrer Brüder, sie sind auch verschiedenen Denkens, Fuhlens und Wollens geworden. Und wenn sie sich auch als Juden fühlen, so gehen alle ihre Leistungen doch dem eigentlichen Judentum verloren. Die großen deutschen, französischen, englischen, russischen Ärzte, Mathematiker, Nationalökonomen, Naturforscher, Philosophen, bahnbrechenden Kaufleute, Dichter und Künstler u. s. f. sind nur Kulturdünger auf den Feldern der Völker, die ihre Leistungen zumeist mit Abneigung betrachten, im besten Falle dem nichtjüdischen Einschlag in ihrer Persönlichkeit zuschreiben. Wie bezeichnend z. B., wenn der große russische Maler Antokolski, da er das Bild eines grausamen Tyrannen malen wollte, den nach jeder Untat doch die Eeue erfast, Iwan