Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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X 6 Zionismus, N ational/j ude nt um und gesetzestreues Judentum. Laute der uralten Volkspraehe erklingen, wenn dort das niedere und höhere Erziehungswesen in vollendeter Weise geregelt ist, wenn sich dort ein reges literarisches Leben entwickelt mit all seinen Organen, und dies alles in der Form einer jüdischen Kultur, die alles Gute der europäischen Kulturen organisch zu einem Eigenen in sich verarbeitet hat—dann ist in Palästina ein geistiges Zentrum geschaffen, das gleichsam das Herz des jüdischen Volkes bildet, der Mittelpunkt des Blutumlaufes, aus dem alle Glieder, und mögen sie noch so entlegen sein, belebt und ernährt werden. Das Bewußtsein, ein solches Zentrum zu besitzen, wird die örtlich und seelisch Entfernten stärken, ihnen die Kraft geben, ihre Eigenart zu bewahren. Nach Palästina wird man wallen um dort zu schauen, daß ein in sich geschlossenes national eigenes Leben pulsiert und wie es beschaffen ist. Diese Eindrücke wird man in die Heimat mitnehmen, und hier werden diese die Wechselwirkung auslösen, daß mancher den Entschluß faßt, sein ganzes Leben Palästina und seiner materiellen und geistigen Kultur zu widmen, und indem er für immer dorthin übersiedelt, der nationalen Wiederbelebung und Selbsterhaltung neue Kräfte zuzuführen. Über den Inhalt der neuen geistigen Kultur, die in Palästina Wirklichkeit werden soll, läßt sich nur soviel sagen: Die religiöse Idee, die der geistigen Kultur des Judentums seit Jahrtausenden den Stempel aufgedrückt hat, wird auch hier eine beherrschende Rolle spielen. Welcher Art die Formen sein werden, in denen sie sich auswirkt, können wir schwer feststellen. Das ist auch nicht nötig. Denn die Entwickelung, die wir ja (nach Achad Haam) als wissenschaftlich gesicherteste Wahrheit in unser Denken aufgenommen haben, wird schon in einem sanften Übergang das Lebensfähige und darum Richtige zustande bringen. Diese Entwickelung, diese sanften Übergänge dürfen darum nicht durch plumpe Eingriffe gestört werden. Der jugendliche Überschwang eines sich auch auf dem heiligen Boden breit machenden Radikalismus kann daher nicht scharf genug gegeißelt werden. Für die Möglichkeit einer friedlichen Umwandlung des Alten in das Neue im Bunde mit den Vertretern des Alten bürgt