Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. I Mit dem ersten Baseler Kongreß in den letzten Augusttagen des Jahres 1897 tritt der Zionismus vor die breite Öffentlichkeit Aber es ist grundfalsch, den Zionismus erst von diesen Tagen an zu datieren. Lange vorher haben sich die mannigfachsten Strömungen, die dann alle in das breite Bett der Zionistenkongresse Zusammenflossen, unter der jüdischen Bevölkerung, vor allem des Ostens, Bahn gebrochen. Schon so charakteristische Differenzierungen wie der geistige Zionismus Achad Haams (Ginsbergs) und der Nationalismus Mathias Achers (Birnbaums) hatten schon früher prägnanten Ausdruck gefunden. 1889 war vom ersteren der für seine späteren Aufsätze grundlegende Artikel: „Nicht dies ist der Weg“ erschienen, und Birnbaum hatte schon 1885 seine Zeitschrift „Selbstemanzipation“ begonnen. Noch früher hatte der Territorialismus in Pinsker’s Autoemanzipation bereits seinen Vorkämpfer gefunden, und das ganze Rüstzeug der rassentheoretischen und politischen Argumente des späteren eigentlichen Zionismus hatte Moses Hess in seinem „Rom und Jerusalem“ schon vorbereitet. Daneben lief die praktische Tätigkeit der Chowewe Zion, entfalteten die Lilienblum und Smolenski ihre Tätigkeit, schrieb Rabbi Z. H. Kalischer sein Derischath Zion und Rülf sein Aruchath Bath Ammi. Der Aufruf Herzl’s fand ein vorbereitetes Geschlecht, und der Zionismus erntete nur die Früchte lange vorher wohlbestellter Felder. Es wäre von Wichtigkeit, die Vorgeschichte des Zionismus hier im Einzelnen zu schildern. Gibt doch der Einblick in die Entstehungsgeschichte einer Bewegung uns den besten Anhalt für die letzten und tiefsten Gründe, aus denen sie erwachsen ist. Auch ein solches Werk wie das von Moses Hess, das völlig isoliert aus seiner Zeit herausragt, ist für denjenigen, der sich mit der Ideologie des heutigen Zionismus auseinandersetzen will, von großer Bedeutung. Man erkennt, wie einer, der völlig außerhalb des Judentums stand und zum Judentum zurückehrte, zuerst sein Volk wiederfindet und sein Nationalbewußtsein, um dann in Liebe zu den Sitten und Bräuchen