Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus. Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. o gelernt. Inzwischen haben sich ja ein paar Kleinigkeiten begeben, wie der Weltkrieg und der völlige Zusammenbruch der größten kontinentalen Macht, die die Welt je gesehen. Und wie skeptisch man auch die Erklärung der englischen Regierung, die Stellung der Entente und der neutralen Staaten, die Kundgebungen der Mittelmächte in der Frage der Schaffung der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk beurteilen mag, wir vier, die wir damals miteinander stritten, haben es uns wahrlich nicht träumen lassen, daß in einer nach dem Maßstab geschichtlicher Umwälzungen so kurzen Spanne eines Vierteljahrhunderts ein solcher Riesenschritt in der Richtung des Zieles durchmessen werden würde. Oder wird einer der Meinung sein, daß diese Kundgebungen der Regierungen von immerhin weltgeschichtlicher Bedeutung erfolgt wären, wenn es nicht eine zionistische Bewegung gegeben und wenn sie nicht diesen Umfang angenommen hätte? Doch, wie gesagt, meine Überzeugung ist die gleiche geblieben. Es erscheint mir nur und einem großen Teil meiner Gesinnungsgenossen, die nicht etwa Misrachisten sind,1) notwendig, das nationale Moment heutzutage stärker zu betonen. Und das vor allem im Interesse der Lebensfähigkeit und Werbekraft der Aguddas-Jisroel-Bewegung. Weil aber offenbar diese „Neuorientierung“, wenn man ein stärkeres Herausheben eines stets in uns wirksam gewesenen psychologischen Moments so nennen darf, auf Mißverständnisse stoßen könnte, und weil diese Mißverständnisse vor allem auf ein gerütteltes Maß von Unkenntnis der mannigfachen sich kreuzenden Bestrebungen innerhalb des Zionismus zurückgehen, so muß ich etwas weiter ausholen. Es scheint mir, daß vielen unter unseren Gesinnungsgenossen auch die elementaren Unterschiede zwischen politischem Zionismus, Territorialismus, Nationalismus, dem Verlangen nach personaler Autonomie, Kulturzionismus usw. nicht geläufig sind. *) Wie das aus zahlreichen Zuschriften hervorgeht, die ich aus Anlaß des Artikels von Dr. Unna im Jeschurun III Heft 11 erhalten habe. 1*