Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- Seite 679 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ans der alten Zeit. 679 Rus der alten Zeit. ) Charakterbild von N. N. Samuely. Aus dem Hebräischen übersetzt von Dr. J. Bleichrode. Berlin. Wenn der fromme Jude am Freitag Abend aus der Synagoge in sein von Wonne, Glanz und Licht erfülltes Haus: heimkehrt, dann singt er in freudig-gehobener Stimmung das Lied „Esches Chajil“, jenes Lied, das Lob und Preis des Weibes kündet, als die Säule des Hauses sie feiert: wie sie in Wolle und Flachs schafft mit fleißiger Hand, Rocken und Spindel erfasset, des Weinbergs Pflanzungen pflegt, Tücher und Gürtel verkauft, ihr Haus in Scharlach und Prachtgewänder kleidet, für die Kinder sorgt und den Mann, der bei des Landes Räten sitzt — und so reiht das Lied Preis an Preis, bis es den Gipfelpunkt erreicht mit den Worten: „Ihre Kinder treten auf und preisen sie glücklich, „Und es rühmet sie ihr Ehegemahl: „ „Viele Frauen haben sich wacker gezeigt, „Du aber übertriffst sie alle!““ „Trügerisch ist die Anmut, eitel die Schönheit, „Ein gottesfürchtig Weib, das allein verdienet Lob.u Zweifellos gab es früher in Israel Frauen, die des Hauses Ehre mehrten, indem sie Tag und Nacht im Handel und Erwerb tätig waren und für den Unterhalt der ganzen Familie Sorge trugen, die mit klugem Sinn dem Manne alle Sorgen abnahmen, auf daß er sich ausschließlich der Thora und Aboda widmen konnte „in hoher Freude, in Reichtum und Ehre, in Sündenreinheit . . . Eine solche Frau nannte man in der alten Zeit eine „Esches Chaiil“ Eine solche Frau war meine Tante Rechele, die jetzt, wie sie leibt und lebt, vor meinem geistigen Auge dasteht: eine kleine, schöne, mollige Frau, die trotz ihrer Fülle :) i)ieso Erzählung ist bereits in der Sammlung „Oulturbilder aus dem jüd. Leben in GalizienLeipzig lt-92 erschienen, dort aber in freier Übersetzung. Der Herausgeber.