Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- Seite 677 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Die JosephserZahlung. 6 77 der, wenn auch in der wohlmeinendsten Absicht, erstlich den Rat erteilt hat, Joseph in die Grube zu werfen, und der darum in erster Linie mitverantwortlich ist für alles Unheil, das später entstanden ist? Wie darf er dann jetzt sagen: Habe ich euch nicht damals gesagt: „versündiget euch nicht“. Denn das allein, daß er die Brüder zurückgehalten hat, persönlich an Joseph Hand anzulegen, kann hier nicht gemeint sein. Das haben sie ja schließlich so wenig getan wie er. Alles wird verständlich, wenn wir an Satz 21 denken und ihn so schlicht und recht, wie ihn uns die Bibel überliefert, lesen: „Als Reuben das hörte, riß er ihn aus ihrer Hand und sprach, wir wollen ihn nicht ums Leben bringen“, und nun Vers 22 genau beachten: „Jud Reuben sprach zu ihnen: vergießet nur kein Blut; werfet ihn in die Zisterne hier, aber legt keine Hand an ihn. Er wollte ihn aber aus ihrer Hand reißen.“ Danach hat also Reuben zunächst die Brüder beschworen, Joseph nicht zu töten und ihn, — so möchte ich die in dem Schriftwort sich wiederspiegelnden Geschehnisse deuten —, in der Tat für einen Augenblick ihrer Hand entrissen. Dieses zweite „und Reuben sprach: vergießet nur kein Blut usw.“, das wir Vers 22 lesen, darf man nicht so verstehen, als ob Reuben gleich auf die Worte „wir wollen ihn nicht ums Leben bringen“ in Vers 21 die Mahnung „vergießet nur kein Blut“ Vers 22 hat folgen lassen. Dann wäre der Zwischensatz: „und Reuben sprach“ hier wirklich überflüssig. Und die Bibel spricht kein überflüssiges Wort. Denken wir nur an das Goethewort: Zu kurz ist diese Geschichte und man fühlt sich berufen, sie ins Einzelne auszumalen. Man hat sich vielmehr die Sachlage so zu denken: Reuben versucht, Joseph -zu retten, aber als er sich davon überzeugen muß, daß die Brüder auf ihn nicht' hören wollen, ja sich wieder anschicken, Joseph seiner Hand zu entreißen, als er einsieht, daß sie sich so unmöglich fügen werden, beschwört er sie nochmals, wenigstens doch kein Blut zu ver-,. gießen, indem er aber nun gleichzeitig diese Bitte für sie an-