Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- Seite 657 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Professor Kittels Obergutachten. 657 nicht zu lieben? Also die Ammoniter und Moabiter sollen nie Bürgerrecht unter den Israeliten erlangen können wegen ihrer bewiesenen Feindschaft gegen das Volk Jv/s; nicht nur haben sie den Israeliten in der Wüste Zufuhr und Wasser verweigert, sondern die Moabiter haben sogar dem Bileam gedungen, ihnen zu fluchen. Dadurch haben sie den Fluch auf sich geladen, der nach dem untrüglichen Worte Götter (1. Mos. 12, 3), dessen Wahrheit selbst Bileam vor dem Moabiterkönig Balak bezeugen mußte, („wer dich segnet, ist gesegnet, wer dich verflucht, ist verflucht“ 4. Mos. 24,9), alle trifft, welche Israel fluchen. Deshalb soll Israel nimmer-; mehr ihr Heil und Wohlergehen suchen (d. h. sich angelegen sein lassen). Hiermit wird, wie Oettli bemerkt, nicht Haß gegen diese Völker geboten, aber Gleichgültigkeit, weil sie von vornherein nähere Beziehungen abschnitt. Michaelis (Mos. Recht I, 326) nennt das, was Moses mit diesen Worten gebietet, „Kaltsinnigkeit gegen einen Staat, der uns beleidigt hat, dergleichen Europa noch jetzt täglich vor Augen siehet“ (geschrieben im J. 1770). Fast fällt die Milde dieses Thora- Gebotes auf. Es wird nicht geboten, Böses mit Bösem zu vergelten, nicht geboten sich an Ammon und Moab zu rächen; es wird sogar (6. Mos. 2, 9. 19) ausdrücklich verboten, diese beiden Völker zu bekriegen: „Nicht sollst du Moab befeinden und befehden“; „nicht sollst du die Ammoniter befeinden und befehden.“ Lediglich ihr Heil und Wohlergehen sollen; die Israeliten sich nicht angelegen sein lassen, keine Freundschaft mit ihnen haben, keine Bündnisse mit ihnen schließen. „Vermutlich war (sagt Michaelis, Mos. Recht I, 326) die Meinung Moses nicht, daß diese Erbfeindschaften vollkommen ewig sein sollten: sie sollten aber dauern, bis das israelitische Volk wegen der ehemaligen Beleidigungen eine gewisse Art von Genugtuung erlangt hätte. Solange das nicht geschah, dauerte das Gesetz.“ Wäre die deutsche Nation durch jene nationale Besonderheit ausgezeichnet, die dem Volke Israel eignete, nämlich Gottes erwähltes Volk zu sein, welches Gesetz würde wohl Gott den Söhnen Deutschlands vorschreiben 44