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Jeschurun · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. Seite 649

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
Seite 649 (sequence 25)
Language
German
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649 Professor Kittels Obergutachten. 616 im Artikel „Nächster“ Folgendes: „Die Erkenntnis, daß jeder Mensch unser Nächster ist, war dem Heidentum verschlossen. Es hatte keinen Menschheitsbegriff, weil nicht den rechten Gottesbegriff. Die Menschen zerfielen ihm in Volksgenossen und Barbaren, in Sklaven und Freie, und1 es wäre den Griechen als eine lächerliche Forderung erschienen, den Barbaren und Sklaven, Bettler, vollends Feinde zu lieben wie sich selbst. So sehr fehlte dem Heidentum die Humanität, das Erbarmen. Hingegen hat wie alles christliche, so auch die Nächstenliebe im Alten Testament ihre Wurzeln. Schon nach der Sintflut, wenn Gott grundlegend das soziale Zusammenleben der neuen Menschheit regelt, wird das Verbot, nicht zu töten, darauf zurückgeführt, daß jeder Mensch unser Bruder und nach Gottes Bilde geschaffen ist, 1. Mos. 9, 5. 6. Es kann also unmöglich richtig sein, wenn z. B. Lemme meint, der im Dekalog gemeinte Nächste sei nur Glied des. Volkes Israel. Nach der anthropologischen Voraussetzung des Alten Testaments muß man überhaupt in jedem Menschen einen Bruder sehen, der zu Gottes Bild geschaffen ist. Es ist ein Unrecht, Heiden außer im Kriege zu töten, vielmehr wurden solche gespeist und getränkt (2. Kön. 6, 22); Heiden nicht den Eid zu halten (2. Chr. 36, 13), Heiden zu bestehlen und zu belügen (2. Kön. 5, 27), der Bekehrung, der Heiden sich nicht zu freuen (Jon. 4, II). In' demselben Kapitel, dem das Gebot der Nächstenliebe entnommen ist (3. Mos. 19, 18), wird sie ausdrücklich nicht auf die Volksgenossen beschränkt: auch den Fremdling, der bei dir wohnt, sollst du lieben wie dich selbst (V. 33. 34), und zwar aus dem echt humanen Grund, weil du aus Erfahrung weißt, wie es Fremdlingen zumute ist, also weil alles, was wir uns von andern wünschen, auch Ihnen von uns gebührt, und weiter, weil ich der HErr dein Gott bin, der die Fremdlinge liebt, 5. Mos. 10, 18. 19. Fremdling wie Witwe und Waise, Arme und Leviten werden

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