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Jeschurun · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. Seite 648

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
Seite 648 (sequence 24)
Language
German
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648 Professor Kittels Obergutachten. schrift auch aut die allgemeine Menschenliebe bezog, sondern bereits Mose hatte es so gemeint. Jesus hatte aber Anlaß, einer zu seiner Zeit im Schwange gehenden Deutung dieser Vorschrift entgegenzutreten, als ob es Wille des Gesetzgebers sei, bloß den israelitischen Volksgenossen zu lieben, andere Menschen aber nicht. In der Tat lesen wir, zur Bestätigung des von Jesus den damaligen Gesetzesauslegern gemachten Vorwurfs, im Sifra (3. Mos. 19. 18) folgendes: „DieSchrift sagt: »Du sollst nicht rachgierig sein noch Zorn halten gegen die Kinder deines Volkes«, dagegen magst du Rache üben >unci Zorn halten gegen die, welche nicht zu deinem Volke gehören D’tnNt» gegen andere).“ Diese Auslegung trifft nicht die „Meinung Mose’s, gegen sie protestiert Jesus und stellt Mose’s Meinung fest. Und nicht Jesus allein. Auch der Tanna Simon ben Assaj (um 110 n. Chr.) sagt: Das Schriftwort (1. Mos. 5, 1) »Dies ist das Buch der Abkunft Adams; am Tage, da Gott den Menschen schuf, in der Aehnlichkeit Gottes machte er ihn« ist ein noch größeres Prinzip der Thora als das von Rabbi Akiba aufgestellte große Prinzip der Thora „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst “. Ben Assaj will sagen: Die stete Rücksicht auf die Gottesebenbildlichkeit des Menschen ist eine weitere und festere Grundlage der gesellschaftlichen Sittenlehre als das Gebot, den Nächsten wie sich selbst zu lieben. Diesen Ausspruch Ben Assaj’s erläuternd sagt der Agadist Tanchuma (um Ö50): „Sage nicht: »Nachdem ich Schimpf und Erniedrigung erduldet, soll auch mein Nächster (’Ton) sie erdulden«, sondern wisse, wen du dann schmähen werdest: den in Gottes Ebenbild Erschaffenen.“ (s. Bacher, Ag. Tann. I 420.) Ehe wir weitergehen zu den von Prof. K. der^Thora angehängten Makeln bezüglich ihrer Vorschriften im Fremdenrecht, ist es vielleicht gut, zunächst einmal in einem Gesamtbild die alttestamentlichen Grundsätze in der Behandlung des Nächsten zu prüfen. Das „Calwer Bibellexikon.» Biblisches Handwörterbuch“ von P. Zeller (1885) sagt S.

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