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Jeschurun · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. Seite 647

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
Seite 647 (sequence 23)
Language
German
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Professor Kittels Obergutachten. 647 Professor Kittels Obergutachten. Besprochen von einem Christen. (Schluß.) VI. Jv.’s Verbot, den Ausländer zu lieben. (Kittel 43ff.) Was Prof. K. über das Fremdenrecht, wie es in der Thora kodifiziert ist, zu sagen weiß, dürfte kaum der Meinung der Thora entsprechen. Vor allem ist zurückzuweisen, daß der Satz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, 3. Mos. 19, 18, in der Thora, wie’s „zweifellos feststehe“, noch nicht im Sinne Jesu gemeint, sondern nur aut den Volksgenossen, nicht aut alle Menschen, also auch nicht aut den Fremden gehe. Hätte Prof. K. gesagt: in erster Linie aut den Volksgenossen (weil man es doch im Lecen in erster Linie mit dem Volksgenossen zu tun hat), so wären seine Worte einwandfrei. Daß aber der Satz aut die Menschen überhaupt gehe, beweisen die zehn Gebote, von denen Prof. K. S. 45 selbst zugibt, daß sie „gewiß zunächst nicht anders denn als sittliche Volksordnung für die israelitische Nation gedacht seien“. Wenn „zunächst“, dann doch weiterhin als verbindliche Vorschriften für jeden Menschen. Oder wären nach der Intention der Thora, konkreter gesagt: nach der Intention Jv/s, des Urhebers der zehn Gebote, Mord, Ehebruch, Diebstahl, falsches Zeugnis, begangen an einem Nichtjuden, gestattet V Sind aber die zehn Gebote jedem Menschen gegenüber verbindlich, dann ist es auch das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dick selbst“, welches positiv ausdrückt, was die erwähnten Verbote (des Dekalogs negativ ausdrücken. Auch dieses Gebot gilt zunächst für den Verkehr mit dem eigenen Volksgenossen, im weiteren Sinn für den Verkehrt mit jedem Menschen. Wäre das letztere nicht der Fall, so würde Mose (oder vielmehr: Jv.) es nachdrücklich betont haben. Nein, nicht erst Jesus war es, der diese Thora-Vor-

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