Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- Seite 643 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Rußland und Polen. 643 Verkehrs mit dem jüdischen Kaufmann Boruch Leibow war, führte nicht nur zur öffentlichen Hinrichtung beider Verbrecher, sondern auch zur Zurücknahme aller früheren Vergünstigungen. Die Politik des Schutzes des russischen Reiches gegen die Befleckung mit Juden fand ihre endgültige Formulierung während der Herrschaft der Kaiserin Elisabeth (1741—1762), der Tochter Peter des Großen, die es verstand, griechisch-orthodoxe Frömmigkeit im öffentlichen Leben mit einer sehr zweifelhaften Sittlichkeit in der privaten Lebensführung zu vereinigen. Da es trotz aller gesetzlichen Verbote den Juden, gezwungen durch den wirtschaftlichen Niederbruch Polens, gelang, in russisches Gebiet einzudringen, so veröffentlichte die fromme Kaiserin im Jahre 1741 einen Erlaß, der die unmittelbare Austreibung „aller Juden, seien sie männlichen oder weiblichen Geschlechts, gleichgültig, welche Beschäftigung, oder welchen Beruf sie haben, aus unserm ganzen Reiche, sowohl aus den. groß-russischen, als auch klein-russischen Städten, Dörfern und Weilern“ anbefahl. Die Juden sollten „hinfort unter keinen Umständen und unter keinem Vorwand in unser Reich zugelassen werden, außer denjenigen, die bereit sind, die christliche Religion inj der griechischen Glaubensfassung anzunehmen; solchen Juden soll nach der Taufe erlaubt sein, im Reiche zu leben, aber es soll ihnen nicht erlaubt sein, es zu verlassen.“ Als Bewohner von Klein-Rußland und besonders von der neuerdings angegliederten Provinz Livland dringende Vorstellungen an den Senat richteten, indem sie aut die verhängnisvollen wirtschaftlichen Folgen der Ausschließung jüdischer Kaufleute von den Handelsmittelpunkten des Reiches hinwiesen, und der Senat auf Grund dieser Darlegungen di* Kaiserin bat, nachzugeben, schrieb Elisabeth ihren berühmten Entschluß nieder (Dezember 1743): „Von den Feinden Christi wünsche ich keinen Gewinn und keine Wohltat“. Das Ergebnis dieser Politik war, daß eine* große Anzahl von Juden — manche sagen an 35 000 — aus ihren Häusern verjagt wurden, ein Akt christlicher Frömmigkeit, der für manche ähnliche Taten 43*