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Jeschurun · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. Seite 642

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
Seite 642 (sequence 18)
Language
German
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642 Die Juden in Rußland und Polen. Befehl, in Moskau die Güter zu verbrennen, die jüdische Kaufleute aus Litauen eingeführt hatten, während im Jahre 1550 derselbe Herrscher das Ersuchen des polnischen Königs Sigismund II schroff zurückwies, der sich Mühe gab, seinen jüdischen Untertanen das Zulassungsrecht für Moskau zu sichern, mit der Begründung, daß die Juden „vergiftete Kräuter (d. h. Heilmittel) in Rußland einführten und die Russen dem Christentum abwendig machten.“ Ein wenig später offenbarte derselbe grausame Despot seinen Antisemitismus in einer Weise, die seines Rufes würdig war. Als er im Jahre 1563 die polnische Stadt Polotzk einnahm, — eine Stadt, die amerikanischen Lesern durch Mary Antin bekannt ist, — gab er Befehl, alle Juden, die die Annahme der Taufe verweigerten, in der Dwina zu ertränken. In dem Vertrag, der im folgenden Jahrhundert (im Jahre 1678) zwischen Rußland und Polen geschlossen wurde, enthält die Klausel, die Kaufleuten aus Polen und Litauen den Eintritt in Moskau erlaubt, die verhängnisvollen Worte; kromje dzidow („Juden ausgenommen“) — jene grausame Formel, die noch bis vor kurzem wie ein Mehltau auf dem russisch-jüdischen Leben lag.| Peter der Große — der Revolutionär auf dem Throne— ‘ behielt trotz seines Liberalismus die gleiche judenfcindliche Haltung bei. Alle Vorstellungen, die ihm während seines Aufenthaltes in Holland zugunsten der Juden gemacht worden waren, mißachtete er völlig. Seine Gemahlin und Nachfolgerin, Katharina I, ging noch weiter und veröffentlichte im Jahre 1727 eine strenge Verordnnng: Alle Juden aus der Provinz Klein-Rußland, die im Jahre 1654 dem russischen Reiche einverleibt worden war, und in die den Juden trotz aller Verbote einzudringen gelungen war, sollten ausgetrieben werden. Ein wenig später war die russische Regierung zu einer Zeit geneigt, den dringenden Forderungen einzelner Provinzen nachzugeben und den zeitweisen Besuch jüdischer Kaufleute zuzulassen. Aber die Bekehrung eines gewissen Wosnitzin, eines Schiffskapitäns, zum Judentum, die das Ergebnis seines

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