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Jeschurun · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · page 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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Die Juden in Rußland und Polen. 605 in den Städten Westeuropas ein. Die Samenkörner der polnisch-jüdischen Kultur wurden über ganz Europa ausgestreut, und neue Pflanzungen wuchsen aus ihnen hervor. Manche Geschichtsschreiber sind geneigt, die Verbreitung dieser Kultur als einen Schritt rückwärts anzusehen, weil sie den Fortschritt der Aufklärung unter den Juden verzögerte. Aber sie haben die Tatsache übersehen, daß dieser Einfluß auch die Verheerungen der sogenannten Aufklärung auf hielt. Jedenfalls empfanden die Juden jener Zeit die höchste Dankbarkeit für die geistige Unterstützung, die ihnen zuteil wurde und spendeten der Ueberlegenheit der polnischen Juden den schrankenlosen Zoll der Dankbarkeit und Bewunderung. Was die polnische Judenheit selbst anbetrifft, so schienen diejenigen, die die Leiden jener Schreckenszeit überstanden hatten, zu glauben, daß ihre Rolle ausgespielt sei.. Aber sie hatten ihre Lebenskraft unterschätzt. Unterstützt von einer starken und umfassenden Organisation, über die später noch zu sprechen sein wird, *begannen die polnischen Juden, sich nach una nach von den Schrecken der Zerstörung zu erholen, und sie waren bald imstande, sich auf sich selbst zu besinnen. Wohl lagerte ununterbrochen auf dem geistigen Horizont der polnischen Judenheit eine Wolke, die von jetzt an durch die Nebel der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Zersetzung verstärkt wurde. Aber es blieb noch ein Niederschlag gewaltiger Geisteskräfte zurück. Die polnische Jludenheit übertrat noch immer der Zahl nach alle anderen Judengemeinden der Welt, und so rechtlos die polnischen Juden auch waren, so hatten sie nach alledem noch mehr Rechte als die Juden Deutschlands, die? ihr Leben nur durch Geldgeschäfte oder durch den Verkauf alter Kleider fristen konnten. Der polnische Staat glich,! um uns der Worte /zu bedienen, mit denen der Landtag des Jahres 1764 eröffnet wurde, ,,einem offenen Hause, einer durch Stürme verwüsteten Wohnung, einem Gebäude ohne Eigentümer״, und der Jude war in seinem Streben, sich «inen Bissen Brot zu verschaffen, weniger beschränkt, als

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