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Jeschurun · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Die Arbeiterfrage in der biblisch.-talmndisch.en Gesetzgebung, jg! ein Schmied, Rabbi Josua ein Köhler. Keine Arbeit erschien ihnen zu gering, wenn es galt, sich dadurch die persönliche Unabhängigkeit zu wahren, ״Ziehe auch das Fell eines Aases ab auf offener Straße und nimm den Lohn dafür״ .״Sage nicht, ich bin ein großer Mann, die Arbeit gereicht mir zur Schande“. Sie gaben den Eltern den Rat, den Sohn zu einem Handwerk zu erziehen. Wer das nicht tue, erziehe ihn zu einem Räuber. Sie sind ferner der Ansicht, man solle sich mit physischer Arbeit beschäftigen, weil dadurch die Kräfte des menschlichen Körpers sich entwickelten. Die Hochachtung vor der Arbeit und die Verachtung des Müßigganges sprachen sich auch im positiven Rechte aus. Wer ein Müßiggänger war, d. h. weder ein Studium noch ein Geschäft betrieb, durfte zwo Strafe nicht vor Gericht als Zeuge auftreten. Ebenso war das Zeugnis der professionellen Spieler ungiltig, und zwar zur Strafe, weil sie ihren Pflichten als Menschen nicht nachkamen und sich keiner produktiven Tätigkeit hingaben. Diese außerordentliche Schätzung und Würdigung der Arbeit als solcher mußte, ״— das ist von vornherein klar — auch von weittragender Bedeutung für die Stellung der arbeitenden Klassen im biblisch-talmudischem Rechte sein. Die arbeitende Klasse zerfiel in drei Gruppen: in Sklaven, Knechte und freie Tagelöhner. Hier möchte ich nun zuerst dem entrüsteten Einwande eines von modernen politischen Anschauungen genährten Gemütes begegnen. Ein solches wird bei dem Worte Sklave sofort an jenen grausamen römischen Lüstling denken, der seine Fische mit dem Fleische seiner Sklaven mästete, oder er stellt in seiner durch Schauergeschichten befruchteten Phantasie sich einen riesigen Gewaltmenschen mit wuchtiger Hetzpeitsche vor, der einen Trupp unglücklicher Neger erbarmungslos vor sich hertreibt. Ein solcher wird fragen, wie konnte die Bibel eine solche verrohende Einrichtung wie die Sklaverei zulassen. Da haben wir doch mit unseren modernen Kulturidealen das alte Buch bei weitem überflügelt. Ist dem wirklich so? Bekanntlich ist es noch nicht 50 Jahre her, seitdem die Sklaverei in Amerika aufgehoben worden ist,

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