Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Über nationale Erziehung. 575 sammenhang zwischen den jüdischen Massen und den Nationalitäten, in deren Mitte sie leben, sich herausbilden. Und wenn sie sich nun dort ebenfalls auf reiner konfessioneller Grund־ läge konstituieren, so droht die Gefahr, daß dieselbe Lage entstehen wird wie bei uns. Die Jugend wird dann ebenfalls in Schulen erzogen werden, in welchen das Polnische oder das Russische die Unterrichtssprache ist, sie wird ihre Bildungselemente aus diesen Sprachen und aus ihrer Literatur empfangen, und das jüdische Fühlen wird bei der großen Menge sehr bald von den nationalen Momenten, die aus der umgebenden Welt auf sie wirken, verdrängt und aufgelöst werden. Dar» wird auch die Errichtung jüdischer Chedarim und Schulen nicht viel ändern können. Sie werden im besten Falle dasselbe leisten wie die deutschen jüdischen Schulen. Denn auch dort im Osten wird und muß ja das Streben der Masse darauf gerichtet sein sich der herrschenden Sprache und Kultur anzupassen, weil dies die Voraussetzung für das materielle Fortkommen ist. Und das Jüdische wird dann zu einer Nebensache herabsinken, es wird der Assimilationsprozeß eintreten, den wir bei uns seit hundert Jahren beob achten können und der im Laufe der Jahrzehnte an Einfluß in fortschreitendem Maße zugenommen hat. Ganz anders, wenn die Juden sich als Nation konstituieren, wenn sie nicht bloß rein religiös, sondern auch kulturell von der umgebenden Bevölkerung geschieden sind. Von den allgemeinen Folgen, die diese Scheidung haben wird und die auch für die Erhaltung der Religion von großer Wichtigkeit sind, wie z. B. von der Sabbatruhe, spreche ich hier nicht. Aber die Juden werden ihre eigenen Schulen haben, in welchen jüdische Welt- und Lebensanschauung, in erster Linie jüdisches Schrifttum gepflegt wird, in welchen das Judentum den Mittelpunkt der Erziehung bilden kann. Die Sprache dieser Schulen würde ja wohl nicht das Hebräische, sondern das Jidische sein. Ich^muß gestehen, daß ich trotz aller gefühlvollen Gedichte und Lieder, welche die Jargonliteratur bietet, und trotz Mathias Acher und anderer Lobredner des Jargon wenig Sympathie für diese Sprache auf-