Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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576 Über nationale Erziehung. bringen kann. Die jüdische Nationalsprache ist und bleibt das Hebräische, und der Jargon kann nun als ein Notbehelf gelten. Aber er ist nun einmal die Muttersprache der jüdischen Massen im Osten, und als solche wirkt er als ein Bollwerk gegen die Assimilation. Er ist geeignet dem Kinde die Welt im jüdischen Lichte zu zeigen, weil das ganze Leben und Leiden, das ganze Fühlen und Empfinden unseren Volksgenossen seit Jahrhunderten in dieser Sprache ihren Ausdruck gefunden hat. Nun würde ja die Anerkennung der jüdischen Nationalität an und für sich noch nicht bedeuten, daß die zu errichtenden Schulen von wahrhaft jüdischem, d. h. von religiösem Geiste erfüllt wären. Denn diese Anerkennung würde es allen Sichtungen, auch den religionsfeindlichen, ermöglichen, ihre Kinder in ihrem Sinne zu erziehen. Aber die Errichtung solcher jüdischer Schulen, in welchen die Überlieferung bekämplt wird, ist' ja, wie die Erfahrung in Deutschland uns lehrt, auch da möglich, wo es eine jüdische Nationalität offiziell nicht gibt. Und in selchen Schulen wirken neben den religionsfeindlichen auch die assimilatorischen Tendenzen in verstärktem Maße. In jüdisch-nationalen Schulen aber würde wenigstens allgemein-jüdisches Empfinden gepflegt werden, was doch immerhin einen Gewinn bedeuten würde. Was aber die Hauptsa^ne ist, die Masse der jüdischen Bevölkerung im Osten hängt noch am alten Judentum, und sie würde durch die nationalkulturelle Autonomie in die Lage versetzt werden, Schulen in ihrem Geiste, im Geiste der Thora zu gründen und dadurch die Zukunft ihrer Jugend sicherzustellen. Deshalb müßte m. E. eine Verständigung zwischen allen jüdischen Richtungen des Ostens angestrebt werden, welche das nationale Empfinden als einen wesentlichen Bestandteil des jüdischen Lebens betrachten, und die Orthodoxie hat alle Ursache auch ihrerseits auf diese Verständigung hinzuarbeiten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die Wortführer der nationalen Parteien zum großen Teile einem falschen Nationalismus huldigen, daß sie der Religion gleichgültig gegenüberstehen oder sie sogar bekämpfen. Da gilt es eben das Richtige vom Falschen zu sondern und