Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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572 Über nationale Erziehung. Sprache und der jüdischen Literatur. Kur durch die weitgehendste Ausnutzung dieses Mittels ist es möglich, in den Kindern jüdisch nationales Empfinden zu wecken, die Liebe zum jüdischen Volke in ihnen zu stärken und zu festigen, das Keinmenschliche und das Jüdische in ihrer Seele zu einer Harmonie zu verschmelzen. Die Vertiefung des jüdischen Wissens und die Stärkung des jüdischen Empfindens ist auch aus allgemein-psychologischen Erwägungen heraus notwendig. Der Jude hat einen doppelten Daseinskampf zu bestehen: als Mensch und als Jude. Er muh oft genug als Jude vor anderen Mitbewerbern zurückstehen, denen er seinen geistigen, menschlichem Eigenschaften und seinen Anlagen nach überlegen ist. Diese Leiden, die er für sein Judentum erdulden muh, wird er viel leichter ertragen, er wird für den Kampf des Lebens viel besser ausgerüstet sein, wenn er weiß, wofür er leidet, wenn er sein Judentum kennen und dadurch lieben und schätzen gelernt hat. Achad Haam weist also der Erziehung die Aufgabe zu eine Synthese zwischen dem Allgemein-Menschlichen und dem Nationalen herbeizuführen. Bei unseren Kindern — wenn wir die Sache auf Deutschland anwenden — ruht die Erziehung, welche die Schule vermittelt, auf germanischer, genauer auf christlich-germanischer Grundlage. Der ganze Lehrplan ist dem Ziele angepaßt, in den Schülern christlich-germanisches Empfinden zu wecken und zu stärken. Daß diese Einflüsse im vielen Punkten dem jüdischen Empfinden nicht entsprechen, ja ihm geradezu entgegengesetzt sind, bedarf wohl keiner Erörterung. Es muß also daneben auch das jüdische Gefühl gepflegt werden, und wenn dabei eine harmonische Ausbildung der Seelenkräfte erreicht werden soll, so muß zu jener Synthese des Allgemein-Menschlichen und des Nationalen noch eine andere Synthese hinzutreten: die des jüdischen und des deutschem Empfindens. Dieses Ziel ist aber nur bei ganz wenigen Auserwählten zu erreichen. Bei der großen Masse ist es gar nicht möglich, weil die äußeren Einflüsse viel zu stark, das Wissen .auf jüdischem Gebiet aber viel zu gering ist. Schon die Zeit, die