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Jeschurun · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Über nationale Erziehung. 571 Im 4. Band der gesammelten Schriften von Achad Haam ist eine feinsinnige Abhandlung über nationale Erziehung veröffentlicht. Es ist eine Rede, die er im Namen der nationalgesinnten jüdischen Kreise in Odessa vor der ״Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den russischen Juden44 gehalten hat und worin er die Wichtigkeit des nationalen Charakters des Unterrichts ausein andersetzt. Er hat diese Rede dann selbst aus dem Russischen ins Hebräische übertragen. Einiges von seinen Ausführungen möchte ich hier wiedergeben. Nationale Erziehung bedeutet nicht die unablässige Verherrlichung des eigenen Volkes und seiner Vorzüge, eine solche einseitige Richtung könnte in den Kindern lediglich einen verderblichen Chauvinismus erzeugen, wie das Beispiel Frankreichs lehrt. Die nationale Einwirkung muß vielmehr eine unbewußte sein, die allgemein-menschlichen Errungenschäften müssen der Jugend im nationalen Lichte gezeigt werden. Bei Völkern mit normalen Lebensbedingungen geschieht diese Einwirkung von selbst, ohne äußeres Zutun, da ist die ganze das Kind umgebende Atmosphäre von nationalen Eiementen erfüllt, und auch die Grundlage der Schule wird von selbst national beeinflußt sein. Selbst die allgemeinen Lehrgegenstände, wie Arithmetik und Naturwissenschaften entbehren nicht ganz des Zusammenhangs mit dem Nationalen, weil ja die in dem eigenen Lande üblichen Maße und Gewichte gebraucht^ und weil dem Kinde zuerst die dort vorkommenden Pflanzen und Lebewesen vor Augen geführt und erklärt werden. Noch mehr tritt der nationale Charakter bei dem Unterricht in Geographie und Geschichte hervor, und vor allem ist es die nationale Sprache, die der ganzen inneren "Welt des Kindes ihr Gepräge gibt. In den besten Literaturwerken seines Volkes findet es eine Fülle von erhabenen ethischen und ästhetischen Gedanken, die nach und nach zu einem organischen Bestandteil seines geistigen Ich werden und dadurch ein unlösbares Band knüpfen zwischen seinem allgemein-menschlichen und seinem nationalen Empfinden. Bei dem jüdischen Kinde fehlen alle diese Momente, und es bleibt nur die Pflege der hebräischen

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