Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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570 Über nationale Erziehung. oft ebenso gehässig, und während die Reform durch ihre System״ losigkeit und durch ihre inneren Widersprüche notwendig der Auflösung entgegengeht, kann man dem Nationalismus die äußerliche logische Geschlossenheit der Auffassung nicht absprechen. Seine Fehler liegen auf dem Gebiet der historischen Betrachtungsweise und sind deshalb nicht so leicht erkennbar. Aber trotzdem könnte die nationale Idee für das überlieferte Judentum von großem Werte sein. Während der Abfassung dieser Abhandlung kommen mir die 12 Thesen über Nationalismus und Judentum zu Gesicht, die Julius Bab in den ״Neuen jüdischen Monatsheften“ (Heft 20) veröffentlicht und die sich in mancher Beziehung mit unserer Auffassung berühren. Er sagt u. a.: *Die Wurzeln jüdischen Geistes durch eine Pflege jüdischen Nationalgefühls zu begießen ist möglich und vielleicht notig.“ Das scheint mir auch vom Standpunkt des orthodoxen Judentums aus richtig zu sein. Der Misrachi hat zwar den Versuch gemacht, die Orthodoxie mit dem reinen Nationalismus zu versöhnen, und man kann nicht sagen, daß er damit großen Erfolg gehabt hätte. Das ist aber kein Beweis gegen die Richtigkeit meiner Ansicht. Denn der Misrachi war innerhalb des Zionismus nur eine kleine Minderheit, und, was noch wichtiger ist. es fehlte ihm an modern gebildeten westeuropäischen Führern, die den religionsfeindlichen Elementen mit Erfolg hätten entgegentreten können. Wenn die Orthodoxie sich in großen Massen dem Zionismus angeschlossen hätte, so wäre ihr Einfluß ein ganz anderer gewesen; denn die Herzl’scke Richtung war dem religiösen Judentum nicht abgeneigt. Und so hätte der von religiösen Ideen befruchtete Nationalismus seinerseits wieder ein Moment der Belebung für das überlieferte Judentum abgeben» können. Denn über die Tatsache, daß die Orthodoxie in den westeuropäischen Ländern mehr und mehr zurückgeht, wird sich wohl kaum jemand einer Täuschung hingeben. Die Ursachen liegen auf verschiedenen Gebieten, eine aber scheint mir das Fehlen eines nationalen Einschlags in der Erziehung zu sein.