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Jeschurun · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Über nationale Erziehung. 569 gegenüber stehen. Denn das nationale Empfinden beruht doch nicht bloß auf Rasse und Blutsverwandtschaft, sondern weit mehr auf geistigen Faktoren, und deshalb müssen jüdisch-na* tionale Materialisten und Atheisten einer historischen Betrachtungsweise als etwas Absurdes, als eine contradictio in adjecto erscheinen. Ein typisches Beispiel für die Auffassung jener Kreise ist die Umgestaltung des Chanukafestes zu einer Makkabäerfeier. Wenn man die Makkabäer als Helden verherrlicht, so müßte man es doch in ihrem, d. h in jüdischem Sinne tun. Man feiert sie aber nur als Freiheitshelden, die für ihr Land und seine Befreiung gekämpft haben, und man vergißt, daß dieser Kampf in erster Linie, ja man kann sagen, ausschließlich der Verteidigung des Glaubens gegolten hat. Denn sie griffen erst zu den Waffen, als man ihnen die Ausübung der Thora unmöglich machen und sie zum Götzendienst zwingen wollte, und sie legten die Waffen nieder, sobald der Religionszwang aufgehört hatte. Der Heroismus der Makkabäer hat sich bei den Religionsverfolgungen des Mittelalters hundertfach wiederholt, und ein so unverdächtiger Beurteiler wie Johannes Scherr sagt z. B. in seiner Kulturgeschichte: ״Nie vielleicht, solange die Welt steht, haben Menschen der Raserei ihrer lieben Mitmenschen mit größerem Heldenmute einen passiven Widerstand entgegengesetzt, als die Juden in der großen Verfolgung des 14. Jahrhunderts taten.“ Aber man verherrlicht die Makkabäer, weil die äußere, aktive Form, in der sie ihre idealen Güter verteidigten, mehr dem Empfinden des modernen Nationalismus entspricht. Und trotz alledem war es vielleicht ein schwerer Fehler seitens der Orthodoxie, daß sie sich der aufkeimenden nationalen Bewegung nicht angeschlossen, daß sie nicht versucht hat, dem Nationalismus den rechten jüdischen Inhalt zu geben, ihn in ein religiöses Fahrwasser zu lenken. Nach meinen bisherigen Ausführungen brauche ich wohl nicht zu fürchten mißverstanden zu werden. Ich weiß, daß der extreme Nationalismus ein gefährlicher Feind des religiösen Judentums ist, vielleicht noch gefährlicher als die Reform. Er bekämpft die Tradition

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