Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Über nationale Erziehung. 567 Schriftsteller gleichsam ihren geistigen Niederschlag gefunden hat. Die historische Größe einer Nation richtet sich ja auch nicht etwa nach der Größe ihres Landes, sie beruht vielmehr auf der Stärke und dem Einfluß ihres geistigen Lebens. Es wird niemand die Babylonier oder auch die Römer als Nation höher stellen als die Griechen, weil das Leben der letzteren sich in einem kleinen Lande entfaltete. Bei dem jüdischen Volke tritt nun dieses geistige Moment in ganz eigenartiger Weise hervor, weil ja darauf allein die Erhaltung des Judentums in seiner tausendjährigen Geschichte gegenüber allen Versuchen der Vernichtung und Ausrottung beruht. Das geistige Leben Israels aber und sein Einfluß auf die Kultur der Ge־ samtmenschheit liegt ganz zweifellos überwiegend auf dem religiösen Gebiet. Man mag zugeben, daß unser Volk im eigenen Lande auch nach anderer Richtung kulturell tätig war; es hat z. B. gewiß auch profane Dichter gegeben, und die Trinklieder der Genußmenschen, gegen die Arnos und Jesaia ihre von sitt־ licher Entrüstung erfüllten Reden richten, hatten gewiß einen nichts weniger als religiösen Inhalt. Aber von diesen und anderen Leistungen ist eben nichts auf uns gekommen, und die Tatsache ihres spurlosen Verschwindens beweist, daß sie, objektiv betrachtet, nicht von sehr hohem Werte waren, daß sie auch für das Volksbewußtsein vollkommen zurücktraten hinter dem, was der Volksgeist auf religiösem Gebiet hervorbrachte. (Die Schöpfungen der modernen jüdischen Dichter und Schriftsteiler werden wohl auch ihre begeistertsten antireligiösen Verehrer nicht mit den großen Erzeugnissen jüdischen Geistes, die der Weltliteratur angehören, auf eine Stufe stellen wollen.) Und wenn wir die Geschichte des jüdischen Volkes im ganzen überblicken, so ist ihr Inhalt in erster Linie die religiöse Idee; für diese Idee, für ihre religiösen Güter, die zugleich das wertvollste Besitztum der Menschheit darstellen, haben unsere Väter gelebt, iür sie haben sie ein beispielloses Martyrium erduldet, haben sie den Tod in tausendfacher Gestalt freudig auf sich genommen. Wenn nun Nationalismus die höchste Entfaltung der kulturellen Eigenart eines Volkes bedeutet, so hätte man erwa