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Jeschurun · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · page 6

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Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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566 Über nationale Erziehung־. Nun aber erhob sich die Frage: Worauf beruht das nationale Prinzip im Judentum? Denn dieses Prinzip trägt überall sein eigenes Gepräge; und daß das jüdische Volk etwas wesentlich anderes ist als andere Nationen, daß demgemäß das Nationalitätsprinzip bei uns eine ändere Form haben muß, sollte bei einer unbefangenen historischen Betrachtung von vornherein klar sein. Schon die Tatsache, daß um die Frage des Volkstums Israels ein Streit entstehen konnte, daß die einen mit heißem Bemühen den Nachweis zu führen versuchten, die Juden seien überhaupt kein Volk, während die anderen mit demselben Eifer das Gegenteil behaupteten, bildet das sprechendste Zeugnis dafür. Kein Mensch wird daran zweifeln, daß die Deutschen oder die Franzosen ein Volk sind; nicht einmal bei den Polen wird eine solche Frage zur Erörterung gestellt werden. Nun sind die am meisten in die Augen springenden Kennzeichen einer Nation das eigene Land und die eigene Sprache. Wir Juden haben zwar eine Sprache; diese Sprache ist nicht eine tote im Sinne der klassischen Sprachen, sie ist aber auch keine lebende in dem Sinne, daß sie die Schrift- und Umgangssprache des jüdischen Volkes wäre. Und ein eigenes Land besitzen wir nicht mehr, seitdem die römischen Heere die Selbständigkeit des jüdischen Volkes vernichteten. Mit dem Zionismus begann deshalb auch folgerichtig das Streben nach einem Lande; denn ein Volk, so nimmt man nicht mit Unrecht an, muß auch ein Land haben. Indessen ist für die Nationalität das Land doch eigentlich nur ein Außeres; weit wichtiger sind dafür die geistigen Faktoren. Auch die wilden Völker haben ihr Land, auch sie lieben den Boden, auf dem sie aufgewachsen sind und verteidigen ihn gegen feindliche Angriffe; und doch kann von einer nationalen Idee bei ihnen nicht die Bede sein. Diese Idee tritt erst da in die Erscheinung, wo geistige Momente wirksam werden. Das Land ist die Stätte, wo das geistige Leben des Volkes sich abspielt, wo seine Kultur sich entfaltet, und auch die Liebe zu den Wäldern und Flüssen der Heimat wird erst zu einem Teil des nationalen Empfindens wenn sie im Volkslied oder in den Werken der Dichter und

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