Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Über nationale Erziehung. 563;zeugung von der ursprünglichen Einheit des Menschengeschlechts gibt dem Völkerrecht einen prinzipiellen Halt, es wird dadurch ein über den Völkern stehendes Hecht, welches sich an alle Völker als ein Gebot richtet. Hegels den Staat vergötternde Lehre aber läßt für das Völkerrecht nichts übrig als das gemeinsame Interesse der Staaten, und darüber, was in seinem Interesse liegt, hat natürlich jeder Staat für sich allein zu entscheiden. — Jene innere Zersetzung der Menschheit aber, die zur Sprachentrennung führte, hatte ihre Ursache in einer Trübung des Gottesbewußtseins; an die Stelle des Bewußtseins von dem einen Gotte sollte als zusammenhaltendes Band der babylonische Turm, das Sinnbild materieller Zentralisation treten. Mit dem Gottesbewußtsein aber verschwand auch das Menschheitsbewußtsein und löste sich in ein bloß Völkerschaftliches Bewußtsein auf. Die Menschen verfielen dem ״theogonischen Prozeß“, der die Götter als eine Macht über den Menschen erscheinen läßt, der sie sich schlechthin unterworfen fühlten, so sehr, daß sie, um diese Götter zu versöhnen, sogar ihre eigenen Kinder opferten. ״Nur die Juden, sagt Frantz weiter, unterlagen dem theogonischen Prozeß nicht, weil sie an dem wahren Gott festhielten. Dadurch wurden sie das auserwählte Volk. Ja, man kann sagen, daß sie in dem Sinne, wie man sonst von Völkern spricht, überhaupt kein Volk zu nennen gewesen wären, sondern in ihrem eigentümlichen Wesen gewissermaßen übervolklich waren. Denn ihr Volkstum beruhte nicht sowohl auf der Abkunft von einem gemeinsamen Stammvater als vielmehr auf geistigem Grunde. Darauf nämlich, daß diesem Stammvater eine besondere göttliche Offenbarung zu Teil geworden, wodurch der ursprüngliche Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen, und der bei den Heiden zerrissen war, eine neue Bekräftigung erhalten hatte. Demnach werden auch die Erzväter in der Bibel nicht etwa als halbgöttliche Heroen dargestellt, wie das in den Sagen, der heidnischen Völker geschieht, sondern sie erscheinen als Menschen wie andere, nur in einem anderen Verhältnis zu Gott stehend“. 38*