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Jeschurun · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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562 Über nationale Erziehung. hätte. Die Völker hielten auch früher;auf ihre nationale Kultur, sie schätzten auch früher ihre eigenen Güter höher als fremde, und sie waren auch früher bemüht, ihre eigene Nationalität zu rühmen und zu verherrlichen. Es war aber dies alles mehr etwas Unbewußtes, es war für das politische und soziale Leben nicht ausschlaggebend. Das Charakteristisclie der modernen Entwickelung ist das Streben, das nationale Prinzip zum bestimmenden Faktor im Völkerleben zu machen. Die Bewertung dieses Strebens und der nationalen Idee überhaupt ist durchaus nicht bei allen Beurteilern die gleiche. Ein Geschichtsphilosoph und politischer Schriftsteller aus der Zeit nach der Reichsgründung, dessen Werke1) neuerdings wieder viel genannt werden, Constantin Frantz, bekämpft die Übertreibung des nationalen Prinzips mit gewichtigen Gründen, und seine Ausführungen, die — trotz seiner gelegentlichen antisemitischen Anwandlungen — sehr beachtenswert sind, haben in manchen Punkten durch die gegenwärtigen Ereignisse eine überraschende Bestätigung gefunden. Er meint, das Bestreben, das Nationalitätsprinzip zur Norm für die Staatenbildung zu machen, müsse zu einem Umsturz des ganzen heutigen Staaten Systems führen, und seine volle Durchführung würde wegen der territorialen Vermischung der Völker trotzdem nicht möglich sein. Auch beruhe die ganze Nationalitätspolitik von vornherein auf einer tatsächlich unwahren Voraussetzung, weil solche reine und feste Nationaltypen, wie man dabei annimmt, in Wirklichkeit überhaupt nicht existieren, und es gilt dies ebensowohl für die äußeren Verhältnisse wie für das geistige Leben der Völker. Er weist auch mit besonderem Nachdruck daraufhin, daß die Bibel nur von einer Schöpfung des Menschen, nicht aber von einer Schöpfung der verschiedenen Völker weiß, diese sind vielmehr erst durch eine innere Zersetzung der ursprünglich einigen Menschheit entstanden, wie die Erzählung vom babylonischen Turmbau beweist. Nur diese Über- ג) Besonders sind zu nennen: ״Die Religion des Nationalismus“, Leipzig 1872 und ״Die Weltpolitik, Chemnitz 1882.“

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