Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Jahrgang Marcheschwan-Kislew 5678 November 1917 Heft 11 דi1 Über nationale Erziehung. Von Dr. Isak Unna, Rabbiner in Mannheim. Wenn eine spätere Geschichtschreibung die geistigen Strömungen erforschen wird, die zu dem gegenwärtigen Weltkriege geführt haben, so wird sie gewiß dem übertriebenen Nationalismus nicht die letzte Stelle anweisen. Das Schlagwort von dem ״Recht der kleinen Nationen״ hat ja auch während des Krieges selbst eine große Rolle gespielt, wenn auch diese kleinen Nationen gerade von ihren Beschützern häufig am meisten vergewaltigt wurden. Die nationale Idee bildete überhaupt einen der mächtigsten Faktoren in der Geschichte des letzten Jahrhunderts, und sie hat ihre Wirkung nach ganz entgegengesetzten Richtungen geäußert: wir sehen ihre aufbauende Macht in der Einigung Deutschlands und Italiens, wir sehen aber auf der anderen Seite in Österreich, in welchem Maße sie das politische Leben verheerend und zersetzend beeinflussen kann. Man kann diese Erstarkung des Nationalismus als eine Art Rückschlag gegen den Kosmopolitismns des 18. Jahrhunderts betrachten. Infolge verschiedener Ursa- י tritt jetzt die Anschauung in den Vordergrund, daß ein Volk durch die Entwickelung seiner nationalen Eigenart, durch den Ausbau seiner nationalen Güter, mit einem Worte, durch die Förderung seiner nationalen Kultur am meisten für die Kultur der Gesamtmenschheit leisten könnte. Selbstverständlich ist die Bedeutung des Nationalgefühls für das Leben der modernen Nationen nicht in dem Sinne zu verstehen, als ob dieses Gefühl in früheren Zeiten gar keine Rolle gespielt