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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 114)
Language
German
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55» Von Dreien, die gegessen haben. An den Wänden des Hauses bewegen sieb die Schatten hierhin und dorthin, und unter diesen Schatten erblicken meine Augen die Toten, die gestern gestorben und die, die ehegestern gestorben und die von den früheren Tagen, eine gewaltig große Schar, eine gewaltig große Gemeinde ... Plötzlich verstehe und begreife ich gar wohl, was der Eaw von uns verlangt; der Raw verlangt, daß wir heute essen sollen, der Raw verlangt, daß Juden am Jaumkippur essen sollen, daß sie nicht fasten sollen! ... Ich stehe und weine plötzlich laut auf. Und welch ein Wunder! Nicht ich allein weine in der Synagoge, sondern viele, sehr viele weinen mit lauter Stimme, und auch die drei, die auf der Kanzel stehen, weinen; und der ehrwürdigste von den dreien weint wie ein kleines Kind . . . Flehentlich spricht er, sanft und liebevoll redet er zu, bisweilen ersticken Tränen seine Stimme: ״Esset! Eßt doch! der Augenblick verlangts! wenn es gilt, für Gott zu wirken — darf man zerstören! Leben soll man durch sie — nicht durch sie sterben!“ Jedoch niemand im Gotteshaus verläßt seinen Platz! Er fleht und bittet weiter, sagt seinen Zuhörern, daß er auf seine Seele diese schwere Sünde übernimmt, die Sünde des Essens, daß die Gemeinde von jeder Schuld frei sein soll. Jedoch niemand im Gotteshaus verläßt seinen Platz! Da wechselt er den Ton, er bittet nicht mehr, er befiehlt: ״Ich erlaube es, ich, der Raw!' — Aber die Gemeinde will noch immer nicht hören, und niemand verläßt seinen Platz! Da legt er sich wieder aufs Bitten, fleht wie ein kleines Kind: ״Warum habt ihr euch alle wider mich verschworen? Warum wollt ihr mich ins Unglück stürzen? Habe ich nicht schon genug gekämpft? Yom frühen Morgen an bis jetzt?“ . . . Auch die Dajonim reden der Gemeinde zu . .. Da erbleicht der Gottesmann, sein Antlitz wird fahl. Er senkt einen Augenblick sein Haupt — und ein tiefer Seufzer durchzieht das Haus, und nach dem Seufzer hört man ihn

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