Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Juden in Rußland und Polen. 527 hatte, nach jüdischem Brauch sein Käppchen auf dem Kopf behielt und schrie ihn aus seinem Versteck heraus entrüstet an: ״Psiakrew, zydzie, zdym chapke!“ — ״Du Hund von einem Juden, nimm deine Kappe ab!“ Mochte der Pan auch nicht daran denken, systematische Verfolgungen oder Pogrome gegen die Juden auf seinen Gütern zu dulden, mochte er in Übereinstimmung mit den Zusagen, die in jener sagenhaften Erzählung aus der Vorzeit ein Edelmann gegeben hatte, sie weder ermorden noch öffentlieh berauben, so wollte er doch, seinen Launen folgend, alles tun, um seine jüdischen Untertanen zu quälen und vor allem sie zu demütigen. Zeitgenössische Chronikenschreiber erzählen seltsame Geschichten von solchen eigenmächtigen Handlungen, die die Pans gegen die Juden verübten. Salomon Maimon, ein polnischer Talmudist und nachmals ein berühmter deutscher Philosoph, der seine Kindheit auf einem Gute zugebracht hat, das dem berühmten litauischen Magnaten Radziwill gehörte, führt uns in seiner Autobiographie eine bunte Auswahl von Tatsachen an, die auch der kühnste Elug der Phantasie kaum erreichen könnte. Dieser interessante Edelmann, der nebenbei zu gleicher Zeit ein hoher Staatsbeamter war, mit der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung betraut, kam einstmals in betrunkener Verfassung in eine Kirche und beging dort, auf den Altar zugehend, eine unnennbare Schandtat. Am folgenden Morgen beschloß er Buße zu tun, und er fand kein besseres Mittel dazu, als der jüdischen Gemeinde des Ortes zu befehlen, der Kirche als eine Sühne für sein Verbrechen sieben Zentner Wachs zu überreichen. Bei einer anderen Gelegenheit schickte derselbe Magnat nach einem jüdischen Heilgehilfen, er solle ihn zur Ader lassen. Als dieser ankam, drehte der Magnat, der natürlich betrunken war, den Spieß um und begann mit unsicherer Hand den unglücklichen armen jüdischen Heilgehilfen zur Ader zu lassen, oder vielmehr abzuschlachten, während seine Vasallen der chirurgischen Geschicklichkeit ihres Herrn Beifall klatschten. Maimons Vater hatte im Alter von acht 35*