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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 82)
Language
German
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526 Die Juden in Bußland und Polen. Denn während der Königszeit der polnisch-jüdischen Geschichte waren die Einflüsse, sowohl die den Juden freundlichen, wie die feindlichen, die der König einerseits und die der Kirche und der Bürger andererseits von einem unpersönlichen Charakter. Diese Kreise wurden gerade in Polen von unpersönlichen Grundsätzen geleitet, und sie konnten durch unpersönliche Mittel gewonnen oder bekämpft werden. Während des zweiten Zeitraums jedoch hing die Wohlfahrt der Juden von der persönlichen Stimmung einer grundsatzlosen oder besser nicht von Grundsätzen beherrschten Schlachta ab, deren Gnade oder Ungnade nur durch ein Aufgeben persönlicher Selbstachtung erlangt oder abgewendet werden konnte. Die Haltung des Pan gegen den Juden wurde nicht durch jenen systematischen und hartnäckigen, man könnte fast sagen, konsequenten Haß bestimmt, der für die Kirche und für die Bürger bezeichnend war. Aber er wurde andererseits durch ein Gefühl diktiert, das vielleicht weniger gefährlich, aber unendlich beleidigender war, — das einer grenzenlosen, unaussprechlichen Verachtung. Diese Verachtung, ein Teil des Dünkels, mit dem der polnische Edelmann auf die übrige Menschheit herabsah, wurde, soweit sie sich auf den Juden erstreckte, ebensosehr durch den Unterschied der Religion und der Nationalität wie durch seine Lebensweise hervorgerufen. Die Haltung der Schlachta dem Juden gegenüber wird durch jene Äußerung von Morawski, dem polnischen Kriegsminister, dem wir später noch begegnen werden, beleuchtet, den ein Schauder erfaßte bei dem Gedanken, daß sich das edle Blut der Polen mit dem der Juden vermischen könnte. Sie wird vielleicht noch greller durch die noch heute in Polen zirkulierende Erzählung beleuchtet, die möglicher, weise erdichtet ist, sicherlich aber weit treuer als Tatsachen die Wirklichkeit wiederspiegelt, durch die Erzählung vo n einem polnischen Edelmann, der nach dem polnischen Aufstande im Jahre 1863 vor seinen russischen Verfolgern in das Haus eines polnischen Juden floh. Während der Schlachtsehiz versteckt unter dem Bette lag, bemerkte er voller Empörung, daß der Jude, der ihm mit Gefahr seines Lebens ein Obdach geboten

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