Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 70)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2292969-2292977--02381-2295649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

514 Mathematik •und Apologie. Elemente, die das Natur geschehen begleiten, und beschränken uns auf die Wiedergabe der rein quantitativen Bedingungen. Unsere Differentialgleichungen könnten also, auch wenn sie theoretisch vorhanden wären nur als eine unvollkommene Darstellung des Weltgeschehens gelten. Aber auch abgesehen von diesem theoretischen Einwand, kann die mathematische Gleichung unsere erstrebte letzte Erkenntnis nicht um Haaresbreite fördern, weil sie ja auf die wichtige Frage nach dem Wesen der wirklich tätigen Ge« walten im Naturgeschehen die Auskunft verweigert und nur rein äußerliche Zusammenhänge abbildet. Warum ein nicht gestützter Körper fällt, wieso ein bewegter Magnet in einer Drahtspule einen elektrischen Strom zuwege bringt, woher den erhitzten Wasserteilchen Riesenkraft zuteil wird, die sie bei gewöhnlicher Temperatur nicht haben, alle diese Fragen und ähnliche muß die mathematische Formel unbeantwortet lassen, obwohl unser Interesse an ihrer Klarstellung nicht minder lebhaft ist als an der Darstellung des zahlenmäßig Faßbaren in dem Naturgeschehen. Wenn man übrigens glaubt, die angedeuteten Fragen durch allerlei Kräfte, wie Schwere, Elektrizität, Strahlung u. dgl. erledigen zu können, so beachtet man nicht, daß der mechanische Begriff ״Kraft“ lediglich aus unserem eigenen Kraftgefühl hergeleitet ist, das Wesen des in Frage stehenden Hergangs aber keineswegs berührt und uns nur durch die Unklarheit dieses Begriffs noch mehr in unserer Unwissenheit einlullt. Vollends versagen muß aber die mathematische Formel auf dem weiten Gebiete des biologischen Geschehens. Die Eindeutigkeit der von uns zurechtgestützten mathematischen Formeln, beruht sehr wesentlich auch auf dem Umstande, daß sie sich auf Gebiete beziehen, wo alle seelischen Vorgänge, alle Willensäußerungen und Stimmungen ausgeschlossen sind. Sogenannte populäre Wissenschaft ist freilich geneigt, die eben betonte Grenze des Geltungsbereiches mathematischer Betrachtungsweise der Probleme zu mißachten und auf die angeblich unbegrenzten Erfolge zu pochen, die mit mechanisti-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.