Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Salomo und sein Thron. 477 War null Salomo ein solcher Idealkönig, wie ihn die jüdische Anschauung ihn sich vorstellt? Aus dem, was unsere Weisen über ihn sich äußern, erkennen wir, daß sie unsere Frage mit ״Nein!“ beantworten. Yor allem heben sie hervor, daß er die Königsgesetze in Selbstüberschätzung verletzt hat. Die drei Gesetze, die ihn mehr als den Privatmann einschränken, nicht zuviel Pferde zu halten, nicht zuviel Weiber zu heiraten, nicht zuviel Gold und Silber anzusammeln, hat er übertreten, da er, wie er von sich meinte, die Gefahren, die die Nichtachtung dieser Bestimmungen herbeifuhren könnte, werde zu meiden wissen. Und—seine Weisheit schützte ihn nicht vor den Folgen, vor denen die Thora durch Begründung dieser Bestimmungen schützen will, er unterhielt den untersagten Verkehr mit Ägypten, er wurde in dem große Glanze, welche die Keichtümer brachten, hoffärtig und unterlag schließlich den Verführungen seiner Weiber. ״Ehrenrettungen״ versucht werden, wenn es sich um Vergehen großer Männer der Vergangenheit handelt. Wenn man sich diese ״Ehrenrettungen״ genauer betrachtet, so wird man erkennen, daß sie nichts beschönigen und nichts entschuldigen woעen, sie wollen diese Vergehungen auf den richtigen Standpunkt stellen und zeigen, daß bei psychologischem Erfasssen der Sachlage die gerügte Tat minder schwer erscheint, als das trockene Wort es ausspricht. Nehmen wir gleich hier jenen Vorgang aus Salomos Leben, von dem es heißt, daß er in seinen Alter, durch seine Frauen verführt, den Göttern Altäre gebaut hätte (1 Kön. 10,11), wozu B. Nathan bemerkt, daß der König nur die Absicht gehabt hätte, sie zu bauen, sie aber in Wirklichkeit nicht gebaut habe. Wenn ihn darauf entgegengehalten wird, daß die Schrift doch in dürren Worten sage, er habe Böses in Gottes Augen getan, so meint er, daß die Duldung des Götzendienstes seiner Frauen ihm als eigene Schuld angereehnet werde. (Sabbat 56 b.) Wenn wir nun diesen Fall psychologisch betrachten, so müssen wir E. Nathan recht geben. Ein so weiser Mann wie Salomo, der den prächtigen'Tempel erbaut, ihn Gott geweiht sein Lebenlang den frommen Spuren seines Vaters nachgewandelt ist, soll in seinem Alter dem abscheulichsten Götzendienst gehuldigt haben? Seine Ideen kann ein Mensch auch in hohem Alter ändern, aber sich zu Taten hinreißen lassen, die aller Vernunft hohnsprechen, für solches Handeln war Salomo doch zu klug und weise. 32