Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Salomo und sein Thron. 473 Säule herab, öffnete einen Schrein, nahm eine Gesetzesrolle heraus, die sie in die Hände des Königs gab, damit er den Worten Mosche’s entspreche: ״Sie (die Thorarolle) sei bei ihm und er lese in ihr alle Tage seines Lebens, damit er lange in seiner Regierung bleibe, er und seine Söhne in Israel“ (5. B. M. 17, 19. 20). Nun kamen der Hohepriester und die Alten, den König zu begrüßen und nahmen ihren Platz zur Rechten und Linken des Thrones, Gericht zu halten. Traten nun die Zeugen vor den König hin, dann setzte sich das Räderwerk des Mechanismus in Gang: der Stier schrie, die Löwen brüllten, der Bär brummte, das Schaf blökte, der Panther heulte, die Anka weinte, die Katze miaute, der Pfau kreischte, der Hahn krähte, der Habicht klapperte, Vögel zwitscherten. — Dies alles geschah, um die Zeugen in Schrecken zu setzen, daß sie nicht lügen, sondern sich vornehmen die Wahrheit zu sprechen, daß nicht durch sie die Welt zerstört werde. Sobald Salomo sich anschickte, den Thron zu besteigen streueten die Löwen wohlduftende Kräuter aus. Einen Thron wie der Salomo besaß kein König in der Welt“.1) Diesen Thron, so spinnt die Legende weiter, konnte auch kein anderer König besteigen. Jeder Eroberer, der ihn von dem jeweiligen Besitzer als Beute sich entführte und den Versuch machte, ihn zu besteigen,wurde schmählichst hinabgestoßen und ging geschädigt aus diesem Versuch hervor. Nicht wie den Salomo hoben die Löwen die Eroberer die Stufen hinauf, selbst die Weltenbezwinger Schischak und Nebukadnezar mußten an das Fatum dieses Thrones glauben: eine lebenslange Lähmung erinnerte sie stets an ihr kühnes Unternehmen. *) Baß eine solche Zeichnung, wie sie uns in der des Thrones Salomo vorliegt, nicht ganz und gar ohne irgendein reales Vorbild der Phantasie eines Dichters entsprungen sein kann, ist klar. In der Tat gab es solche Vorbilder, der Verf. muß den einen oder anderen Prachtthron gekannt, sei es auch nur durch Erzählung, gekannt haben. Die Wirklichkeit wird aber von der Dichtung weit übertroffen. Über solche Throne berichtet Cassel ״Kaiser- und Königsthron“. Die Kunst Automaten anzufertigen, ist sehr alt. Apollonius von Tyana berichtet, daß er solche in Indien gesehen habe.