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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Sittenreinheit. 466 Aber sehr groß ist gerade in den Kreisen, die wir bei aUen unseren Erörterungen im Auge haben, die Zahl der Mädchen, die nicht auf Grund einer materiellen Notlage, sondern aus einem anderen Streben heraus, einen Beruf erwählen. Sie^ betrachten die Leitung des Haushaltes, die Unterstützung der Mutter nicht als die ihnen angemessene Beschäftigung, sie glauben es ihren Anlagen schuldig zu sein, sie zu Nutzen und Frommen der Welt weiter auszubilden, sie wollen sich unter denen, die für die Kultur der Menschheit arbeiten, ihren Platz erobern. Es läuft da viel Einbildung, Nachäfferei, Modetorheit und Standesdünkel unter. Die Zeit ist längst vorbei, da die Mädchen, die gegen alle möglichen Hindernisse, die Schwierigkeiten der Vorbildung, die Zurücksetzung durch die Dozenten und Kommilitonen das Studium und das Examen erzwangen, als Persönlichkeiten von mindestens nicht gewöhnlicher Willens״ stärke gelten mußten. Die Mädchengymnasien, die Lyceen usw~ werden im regelmäßigen Tempo durchlaufen, und die Prüfungen werden ganz nach dem männlichen Muster von manchen Dauerhaften ersessen. Und der falsche Ehrgeiz der Eltern schafft womöglich noch Schülerinnentragödien. Aber es steht zu erwarten, daß sich allmählich eine vernünftigere Stellung der Eltern anbahnen wird, und dagegen, daß die Begabten vom sechszehnten bis achtzehnten Jahre statt der Allotria, die* sonst getrieben wurden, eine bessere Schulung des Denkens und eine umfassendere Bildung sich aneignen, läßt sich schwerlich etwas einwenden. Aber warum wollen wir nicht die allgemeine Richtung der Zeit in den Dienst unserer heiligen Sache stellen,, warum nicht den Versuch machen, einen Oberbau für höhere Mädchenschulen zu schaffen, in dem nicht ausschließlich die humanistischen Fächer oder Mathematik und Naturwissenschaften oder neuere Sprachen, sondern die hebräischen Fächer überwiegen? Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Für alle, die nicht ihre Zukunft auf ein Brotstudium einstellen, kann es sich doch nur darum handeln, sich so fortzubilden, daß sie dereinst geistig hochstehende Mütter sind, welche nicht Gefahr laufen, von

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