Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Sittenreinheit. 467 ihren heranwachsenden Kindern über die Achsel angesehen zu werden, die darum einen ganz anderen Einfluß auf die Jugend gewinnen können, wie die Frauen früherer Zeiten. Ist es da ein Phantom, dem wir nachjagen, wenn wir auf eine Zeit hoffen, in der die Mutter ihre Tochter tief in unsere heilige Literatur hineinführt, in der auch sie mit ihren Kindern im gewissen Sinne ״lernt״ und all das der Tochter leistet, was wir vom rechten Vater dem Sohne gegenüber erhoffen? VI Dann wird auch am besten die Gefahr beschworen werden, die aus den im Anfang unserer Erörterungen geschilderten Anzeichen der jüdischen Sittenreinheit droht. Zucht und Sitte wird immer das Herrscherbereich der Frau bleiben. Sie, die eigentliche Verkörperung des צניעות hat es zuletzt in den Händen, dem Hause den Stempel der Reinheit aufzudrücken• Was ist aber der letzte Grund für jede Form der Entartung, was fuhrt eigentlich zum ersten Schritt vom rechten Wege? Die Mischna in Kethuboth 59 b spricht es deutlich aus הבטלה מביאה לידי זמה meint R. Elieser und הבטלה מביאה לידי שעמום meint R. Gamliel. Auch wenn die Frau eine genügende Zahl von Dienstboten hat, dürfe sie nicht still sitzen, sondern müsse eine Beschäftigung haben, denn der Müßiggang führe zur Unzucht oder nach der Meinung des anderen Tanna zur Hysterie. In der Tat, das war vor dem Kriege — der Krieg selbst hat ja unsere ״vornehmen“ Hausfrauen wieder zu ein klein wenig Arbeit verholfen — das war vor dem Kriege die Wurzel alles Übels. Für jede Verrichtung eine dienende Kraft, auch für die Kindererziehung. Die Kinder fallen den Damen auf die Nerven. Aber שעמום diese Nervosität war nur die Folge, daß sie sich nie um die Kinder gekümmert, die Folge von בטלה des Nichtstuns oder der leeren Geschäftigkeit, die in allerlei Nichtigkeiten eine Beschäftigung vortäuscht, und diese wiederum hat im Gefolge זמה den Verlust der jüdischen Sittenreinheit, wenn auch nicht gleich in der krassen Form, so doch in den Anfängen. Es wird schwerlich gelingen, die