Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 60 Sittenreinheit. Ich zu formen, das muß sich aufbäumen können gegen die Entweihung und Zerstörung, die der erste Schritt vom Wege zurEolge hat, gegen die Selbstvernichtung die in den Verirrungen sittlicher Unreinheit gegeben ist. Derartige Kämpfe dürfen nicht allzuoft ausgefochten werden, soll der Kämpfer nicht doch einmal erliegen. Also wird die Arbeit das Beste tun müssen. Wie wäre es aber, wenn wir eben für jene ״Erholungspausen“ eine Arbeit finden, die noch dazu geeignet wäre, die Persönlichkeit zu festigen, sie mit Werten zu erfüllen, die es ihr in dieser Arbeit ganz unmöglich machten an jene verderbenbringende Dinge zu denken und sie zu wollen? Es dürften keine ausgesprochen religiöse Übungen sein, denn die Erfahrungen aller Zeiten haben es bewiesen, daß derartige Versuche, auf direktem Wege die Leidenschaft zu bekämpfen, ohne Erfolg blieben, ja oft in ihr Gegenteil umschlugen. Nur in dem ״Lernen“, im Thorastudium haben wir eine solche wertvolle Arbeit, für die sich wohl nirgends in der Welt eine Analogie bietet. Der Inhalt, das Ziel ist die Feststellung göttlicher Gesetze, aber die Form ist reine und intensive Gedankenarbeit. So haben wir eine Beschäftigung, die ״neutral“ genug ist, um jede Ideeassociation mit der Sphäre des Sinnliehen (auch die Gedankenverbindungen des Gegensatzes) auszuschalten und die doch bei einer Selbstbesinnung religiös stark genug betont ist, um jederzeit, wenn es von Nöten ist, die Bedeutung der ungebrochenen Persönlichkeit in den Vordergrund zu rücken. Das ist der tiefe Sinn des Wortes unserer Meister בראתי ״ יצר הרע ובראתי לו תורה תבליןIch habe den Trieb geschaffen, ich habe die Thora als Würze geschaffen4״. Wie aus dem Zusammenhang dort Kidduschin 30b hervorgeht, ist da nicht an ein Heilmittel gedacht, sondern an ein Vorbeugungsmittel, das alle schädlichen Kräfte gar nicht zur Entfaltung kommen läßt. Ein einmal verdorbenes Gericht wird schwerlich durch nachträgliche Zutaten wieder schmackhaft werden. Aber die Würze, die von vornherein bei der Zubereitung in Anwendung kommt, die schafft aus dem Unschmackhaften, ja aus dem an sich Schädliehen die bekömmliche Nahrung.