Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292969-2292977--02325-2295593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
458 Sittenreinheit. übt werden und daß diejenigen, die mit dieser Lebensführung fromme Juden sein wollen, Heuchler oder Narren sind? Nie hat der einen Hauch jenes Geistes verspürt, der nach Bibel und Prophetenwort, nach Talmud und Midrasch, nach den Be- Stimmungen unserer Poskim und den Mahnungen unserer Mussarbücher die jüdische Sitte durchzieht, der all das schmähliche Beiwerk üben und dulden kann, wie es die Beschränkung der Kinderzahl begleitet. III. מעשיך יקרבוך מעשיך ירחקוך Nicht die Worte der Eltern, nicht ihr Loben und Schmeicheln, nicht ihr Mahnen und Schelten bringen sie dem Herzen der Kinder nahe; nur die Tat schafft das Wunder der Erziehung. Und nicht eine Einzeltat, sondern wie sie sich in unbewachten Augenblicken geben, wie sie im Gleichmaß der Tage ihr Leben führen, wie sie die vielen Jahre hindurch, da das Kind ein stiller aber scharfer Beobachter war, der schärfste und gerechteste Kritiker, eine immer gleiche von keinem Nebel und keiner schwülen Stickluft getrübte Atmosphäre der Sittenreinheit um sich verbreiteten — das gibt auch den Kindern und das allein ihnen den sittlichen Halt. Immerhin, das alles bleibt immer nur Vorbedingung, nur eine Grundlage, auf der weiter gebaut werden kann. Wir wissen alle, daß die Beinheit des Elternhauses keine völlige Bürgschaft bietet für die Beinheit des heranwachsenden Geschlechts. Aber wir wollten ja auch nur hervorheben, daß nur ein reines Elternhaus mit Erfolg den Versuch unternehmen kann, hier erzieherisch zu wirken und mit den Mitteln einzusetzen, die angewandt werden müssen, um die Jugend den Gefahren gegenüber zu stählen, die von außen an sie herantreten. Wie schützen wir die Jünglinge, wenn sie aus dem Elternhaus ins Leben treten, wenn von allen Seiten die Versuchungen sich ihnen nahen durch den Verkehr, aus der Lektüre, in der fremden Stadt und auf Beisen in Ländern, wo die Verführung sich ihnen schamlos aufdrängt. Zwei Wege gibt es, die man hier einsehlagen kann. Längst ist man vor der Meinung abgekommen, als ob der