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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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454 Sittenreinheit. soll gar nicht von der Gefahr gesprochen werden, daß diese Bücher, wenn sie im Zimmer nmherliegen, in die Händen derer fallen können, vor denen die ]Eltern sie doch um jeden Preis verbergen möchten. Um des seelischen Gleichgewichts der Eltern selbst, sollten sie verbannt sein. Denn was der Mensch liest, davon träumt er, daran denkt er, das bleibt niemals völlig ohne Einfluß auf sein Fühlen und Wollen. Es ist nicht leicht. Denn die Dichter können es nun ein• mal nicht lassen, das Thema von der Liebe in jeder epischen Erzählung abzuhandeln und das ist zu solcher Selbstverständlichkeit geworden, daß es oft an den Haaren herbeigezogen wird. Die niedrigen Naturen rechnen mit dem nur durch diesen Beiz zu weckenden Interesse des Lesers, die edlen folgen da offenbar einem Zwange, dem sie sich nicht entziehen zu können glauben und der doch so leicht zu brechen wäre, wenn nur einmal unter den vielen Dichterschulen eine auch dies wahrlich nicht so unedle Ziel wollte. Wir möchten an einem Beispiel das recht deutlich machen, an Max Brod’s Tycho de Brahe’s Weg zu Gott, umsomehr als sein Buch in diesen Blättern uneingeschränkt gelobt wurde. Man vergleiche (Jeschurun III S. 210—217) die feinsinnige Analyse dieses Bomans von Blau. Wir können allen seinen Ausführungen nur beistimmen. Es ist ein tiefer, beim einmahgen Lesen nicht auszuschöpfender Ideengehalt in ihm, eine gewaltige Persönlichkeit stellt sich vor unseren Augen dar, ihr faustisches Bingen begleiten wir mit immer steigender Spannung. Beligiöse und sittliche Probleme werden mit einem erhabenen Pathos gelöst. Wir könnten diesen Boman wie wenige in die Hände unserer gebildeten Jugend legen. War es nötig, daß jene schwülen Szenen von der gefallenen Elisabeth hineinverflochten wurden? Ich lasse mir nicht einreden, daß das ein nötiger Bestandteil des Werkes ist. Sie könnten fehlen, und nichts wäre dadurch geändert. Aber der Verfasser hat es damit glücklich zu Wege gebracht, daß der Erzieher, der es mit seiner Pflicht Ernst nimmt, um des in solcher Hülle gebotenen viel gefährlicheren Giftes willen das prächtige Buch aus der Liste derer streichen

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