Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Sittenreinheit. 453 in die Hand geben. Aber ich bezweifle den Erfolg seiner markigen, aufrüttelnden Worte dort, wo der Boden nicht durch eine rechte Erziehung geebnet ist. Die Eltern müssen an sich arbeiten, um erfolgreiche Arbeit bei den Kindern leisten zu können. Und wenn sie es nicht um ihretwillen unternehmen wollten, um wieder reine Menschen und gute Juden zu werden, sollte sie nicht das Ziel locken, daß sie allein dadurch ihren Kindern ein glückliches Leben hienieden und die Seligkeit ins Jenseits sichern? Noch immer. Gott sei Dank, leben jüdische Eltern vor allem in ihren Kindern und für ihre Kinder. Und wenn man sie vergebens ermahnt, an ihre eigene Zukunft zu denken, der Hinweis auf ihre Kinder hat noch nie versagt. ״Und zuletzt: Wenn man an die Jugend sich wendet oder an die Ledigen, da ruft man zum Kampfe auf gegen eine Naturgewalt, da nützen die kleinen Stützen und Krücken nichts, nicht die kleinen Mittel, die uns aus dem gelesenen und gehörten Wort zu Hilfe eilen. Wer nicht durch Jahre lange Übung gestählt ist, daß er aus eigener Kraft den Kampf besteht, der ist verloren. Doch die Eltern in ihrer Ehe sind vor den großen Versuchungen gefeit, wir reden ja von jüdischen gesetzestreuen Familien, in denen Gott sei Dank noch immer die Gattenehre heilig ist. Was ihnen zugemutet wird, ist ja nicht die Überwindung einer verzehrenden Leidenschaft, eine völlige innere Umwandlung ihrer Persönlichkeit. Sie sollen nur mancher ״Sitten“ sich entwöhnen, von denen der Bruch mehr ehrt als die Befolgung. Ist es wirklich so schwer, ist es völlig unausführbar, eines Tages zu erklären, von heute ab kommen Erzeugnisse einer gewissen Literatur nicht über die Schwelle? Unerreichbar und darum nicht angängig wäre das Verlangen, der Gatte, der abends ermüdet aus dem Geschäft kommt, solle nun geistige Arbeit leisten, die Dame des Hauses solle sich, statt ihren Homan zu lesen, mit Büchern abplagen, die schwere Probleme behandeln. Aber ein klein wenig nachzugeben, und eine gewisse Literatur auszuschalten, die Herz und Sinn in den Bann des Lüsternen schlägt, das sollte doch nicht unmöglich sein. Es