Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Sittenreinheit. 45 5 muß, die er dem heranwachsenden Geschlecht zur Lektüre empfehlen könnte. Man könnte das Gleiche bei vielen großen der Weltliteratur angehörigen Werken zeigen. Doch wir werden von uns aus daran nichts ändern, und es handelt sich ja hier nicht darum, die Schwierigkeiten zu erörtern, wie schützen wir die Jugend vor den Gefahren, die ihr aus den Schöpfungen der Dichtung drohen. Was wir meinen, ist klar. Es ist der erste Schritt, die Reinheit des Hauses zu wahren, wenn man sich selbst Beschränkung auferlegt, sich selbst die rechte Lektüre wählt. Ein jeder Autor hat seine Eigenart, und es ist nicht so schwer, sich den ungeeigneten vom Leihe zu halten. Nur muß man auf den Ehrgeiz verzichten können, das Buch der Saison um jeden Preis gelesen zu haben, über den Modeschriftsteiler unterrichtet zu sein, um in der Gesellschaft von ihm mitsprechen zu können. Ist es wirklich so schwer, ist es unausführbar, eines Tages auf den Besuch der Varietes, des Kabarets zu verzichten, auf all die lasciven Stücke, die nur dem niedrigen Amüsement dienen und immer ein Gefühl der Leere zurücklassen, ja noch mehr ein Gefühl der Beschämung, daß man über das Häßliche und Nichtige gelacht? Wir reden ja immer nur von Eltern, denen die Unschuld ihrer Kinder ein Heiligtum ist, die im Innersten getroffen wären, wenn sie erführen, daß ihr Teuerstes auf Abwege geraten ist. Mit welchen Empfindungen können sie an ihrem Erziehungswerk arbeiten, wenn sie daran denken müssen, daß sie vor kurzem selbst unreine Freuden genossen haben. Es ist, es kann ja nur Gedankenlosigkeit sein, Nachäffung fremder Art, die diesen Widerspruch ihnen verdeckt. Es erfordert ja nicht eine besondere Charakterstärke, einen undurchführbaren Kampf mit einer Leidenschaft, was hier gefordert wird. Und nun gar, unzüchtige Reden für immer zu bannen! Sie sind ja so witz- und geistlos. Sie erhalten ja nur ihren ״Wert״ durch ihren zweideutigen Sinn! Wie kann ein gesetzestreuer Jude, ein Mensch von irgendwelchem religiösen Empfinden