Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292969-2292977--02318-2295586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sittenreinheit. 451 Damen wohl die Freude des Ceremonienmeisters an einem Hofe aber für unser jüdisches Empfinden eine Entweihung der heiligen Stätte sind. So wird es uns auch nicht Wunder nehmen, wenn auch in der Ehe, die als der sicherste Prüfstein der Sittenreinheit gelten kann, uns Zeichen der Entartung begegnen. Vereinzelt, Gott sei Dank und Lob, noch sehr vereinzelt; aber es ist kein Zweifel, das Gespenst der willkürlichen Beschränkung der Kinderzahl geht auch in unserer Mitte um. Und einer jungen Frau werden von ihren Mitschwestern Vorwürfe gemacht, weshalb sie nicht dafür gesorgt, daß ihr Schonung auferlegt wird, daß die Kinder nicht zu schnell aufeinander folgen. Und soll nicht auch ein Wort darüber gesagt werden, von welchen Gesichtspunkten offc die Eheschließung beurteilt wird und wie auch hier das innerste Wesen der Ehe, das Heiligtum des Zusammenschlusses zweier Menschenblüten in den Staub getreten wird. Wir wollen wahrlich keine Lanze für die Liebesheirat einlegen. Wir dürfen die alte Form der jüdisehen Eheschließung, nach der die Eltern die vorbereitenden Schritte treffen, nach der die beiden künftigen Ehegatten sich vorher reiflich überlegen, ob sie nach Stand und Bildung, nach Familienadel und sei es auch nach Vermögen zueinander passen, als die angemessene und glückverheißendere anerkennen. Wir dürfen es um so eher als Lhotzky in seinem berühmten ״Buch der Ehe“ zu dem gleichen Resultat kommt, Lhotzky, der über den Verdacht erhaben ist, als hätte er für altmodische oder gar materielle Auffassungen über die Ehe allzuviel übrig. Aber der Lärm, der sich in der Sippe und dem ganzen Bekanntenkreise erhebt, wenn einmal ein mit Reichtum gesegneter junger Mann ein armes Mädchen aus guter Familie freit, das Bildung und Schönheit und Herzensgüte in die Wagschale zu legen hat und andererseits die Zustimmung und Befriedigung, wenn ein stattlicher von Gesundheit strotzender junger Mensch ein körperlich und geistig kümmerliches Geschöpf erwählt, sobald nur der Geldsack vorhanden ist; oder wenn ein mit allen Vorzügen ausgestattetes Mädchen, das auch in Besitz einer