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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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450 Sittenreinheit. die heranwachsende Jugend macht, von der sexuellen Aufklärung und allem, was damit zusammenhängt. Wir meinen, daß der größte und sicherste Schutz immer noch das reine Elternhaus ist, daß, wenn Vater und Mutter völlig unantastbar sind in ihrem Denken und Empfinden, in ihrem Reden und Tun, diese Atmosphäre der Reinheit von selbst sittigend, erhaltend und als Schutzmittel wirkt. Aber sehen wir uns doch einmal in unserer Mitte umt Wieviele sind es, die es über sich gewinnen, nie ein Wort der unreinen Rede über ihre Lippen zu bringen? Wieviele, die das neueste Scherzwort zweideutigen Charakters erzählen und zum mindesten schmunzelnd anhören? Werden die Gedanken rein sein dort, wo über die Lippen das Unreine kommt? Und sehen wir uns in den Salons um. Da prangte immer das Buch des neuesten Literaten, ob dieser auch der Lüsternheit Nahrung bot. Man ist so gebildet und ist nicht verlegen um den Vorwand, man müsse sich doch auf dem Laufenden halten. Aber in Wirklichkeit ist es genau wie in der Umgebung: das Verlangen nach Sensation, man hat zum mindesten nicht die Kraft, was der innersten Natur widerstrebt, abzulehnen und mit Entschiedenheit zu erklären, was soll das in meinem Hause? das alles ist ja Schmutz! Und in der Kleidung? Man weiß, was die Mode will. Sie ist niemals der Ausdruck rein ästhesischer Formenbildung, das Ewigweibliche soll den Mann herunterziehen. Der Kampf gegen sie ist völlig vergeblich, und er ist auch von den edelsten Frauen nie versucht worden, denn eine Auflehnung gegen sie büßt eine jede mit völliger Vereinsamung. Aber dennoch haben die reinen Frauen es immer verstanden, vor allem in Zeiten der Entartung, wenn die Mode allzu eindeutig ihre letzte Absicht enthüllte, die rechte Mitte inne zu halten. Ohne aufzufallen, wußten sie das edle Maß zu wahren, daß sie den Frauen nicht zum Spott wurden und dennoch jenen häßlichen Zweck vereitelten. Und unter uns? Ist’s doch dahin gekommen, daß in gesetzestreuen Gemeinden der Rabbiner die Trauung nicht in der Synagoge abhalten läßt, weil die Toiletten der

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