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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sittenreinheit. 449 Fragen, die einst nur die Männer angingen, sieh energisch betätigt. Denn wir kennen solche Frauen, und der Kranz ihrer Frauenwürde ist nicht entblättert. Und wir sehen auch Mädchen und Frauen, die der Mode ihren Tribut zollen, und dennoch leuchtet von ihrer Stirn und ihrem Angesicht der Adel der Reinheit. Und auch die Studentin der Medizin, die in einem für die altmodische Auffassung unbegreiflichen Maße in Tiefen* hinabsteigen muß, die dem jungen Mädchen früherer Zeiten verborgen blieben, auch sie sehen wir vor uns treu und rein wie nur eine ihrer Mitschwestern. Denn es war ja auch in der alten jüdischen Zeit nicht so, daß die Dinge, die natürlich sind, vor den Ohren der Jugend nicht genannt werden durften. Wieviel wußten die Knaben und Jünglinge, welche ״lernten“. Wieviel mußten sie wissen, wollten sie das Gelernte verstehen! Und das Erbauungsbuch unserer Großmütter, ja noch unserer Mütter, das צאנה וראגה aus dem sie ihr tiefes religiöses Empfinden geschöpft, das uns wohl eigentlich jenes wunderbare Geschlecht jüdischer Frauen geschenkt hat, nun, es nimmt keinen Anstand, recht viele Midraschim zu bringen, die von dem Natürlichen natürlich reden. Denn jener Zauber von Heiligkeit ist über das Ganze gebreitet, der es dem Leser, der sich diesem Zauber gefangen gibt, unmöglich macht an das Unreine zu denken. Und aus unserer Zeit nenne ich ein anderes Buch: des Würzburger Raw אמירה לבית יעקב, das von,den Dingen, welche die Frauen wissen müssen, wollen sie ihren ehelichen Pflichten nach den Geboten unserer Thora gerecht werden, in so reiner Klarheit und doch so lauteren Worten redet. Nicht die Formen, unter denen wir westeuropäische Juden uns jetzt bewegen, sind das Wesentliche. Der Inhalt, den wir diesen Formen geben, das ist das Entscheidende. Und da freilich ist die Frage wohl berechtigt: Wie steht’s mit der Reinheit unserer Sitten? Ist Keuschheit und Zurückhaltung, das altjüdische צניעות noch unsere Zierde? Können wir diese Frage mit einem schlichten Ja beant- Worten? Wir wollen hier nicht von der Sorge reden, die uns

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