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Jeschurun · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · page 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
– (sequence 89)
Language
German
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Die Juden in Rußland und Polen. 441 scheu Konkurrenten beschränkte. Der Höhepunkt dieses Strebens ist in der Verordnung des Sejm vom Jahre 1538 erreicht, die einen besonderen Abschnitt enthält, der sich mit den Juden beschäftigt: Wir beschließen und bestimmen hiermit, daß von dieser Zeit an und weiter und für alle Zeiten alle Pächter der Staatseinkünfte unbedingt aus adligen Grundbesitzern und aus Personen bestehen müssen, die den christlichen Glauben bekennen. Wir setzen als unverletzliche Bestimmung fest, daß es keinem Juden gestattet sein soll, das Einziehen irgendwelcher Art von Staatseinkünften zu pachten. Denn es ist unwürdig und im Widerspruch mit dem göttlichen Hecht, daß Menschen von solcher Beschaffenheit zu Ehren־ stellen irgendwelchen Hanges oder zur Bekleidung öffentlicher Ämter unter Christen zugelassen werden. Die Verordnung vom Jahre 1538 bestimmt ferner, daß die Juden kein Hecht auf unbeschränkten Handel haben, sondern den Handel jederzeit nur mit der besonderen Erlaubnis des Königs oder nach einer besonderen Vereinbarung mit den städtischen Behörden betreiben dürfen. Der Handel in Dörfern ist ihnen verboten. Die Geldgeschäfte der Juden werden durch eine ganze Gruppe von Beschränkungen eingeengt, und endlich nimmt das Gesetz die alte Verordnung der Kirche wieder auf, die den Juden eine besondere Kopfbedeckung \orschreibt. Man kann sagen, daß diese Konstitution vom Jahre 1538, die nachmals in den Jahren 1562 und 1565 bestätigt wurde, in großen Zügen die offiziellen Richtlinien der Schlachta in dem ersten Zeitabschnitt der polnischjüdischen Geschichte enthält. Werfen wir einen Rückblick auf diesen Zeitabschnitt in seiner Gesamtheit, so finden wir, daß er hell und freundlich mit der Ankündigung jüdischer Freiheit anhebt, und daß er mit der Drohung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Reehtlosigkeit schließt, während die Zwischenzeit durch das langsame, aber ständige Fortschreiten der Kräfte charakterisiert wird, die auf die Vernichtung des Judentums hinarbeiten. Wenn trotz alledem Polen als ein leuchtender Stern am Himmel der jü־ disehen Diaspora erscheint, so ist es wegen des tiefen Dunkels.

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